In Cannes laufen die Filmfestspiele gerade ganz im Zeichen der #MeToo-Debatte. Der Diskussion um Gleichberechtigung und Vielfalt im Film wurde noch einmal ein Zeichen gesetzt: Eine Initiative fordert 50/50 bis 2020, heißt: Im Jahr 2020 soll die Filmindustrie so weit sein, dass Männer und Frauen zu gleichen Teilen bei Filmfestspielen vertreten sein sollen. Eng verbunden ist damit auch die gleichberechtigte Rollenverteilung in den Filmen.

Denn die ist bisher alles andere als ausgeglichen: Auch im Jahr 2018 stehen immer noch doppelt so viele Männer vor der Kamera wie Frauen. Eine Studie aus dem Jahr 2016 hatte gezeigt, dass von 100 Hollywoodfilmen nur jeder Dritte eine Frau in der Hauptrolle hatte. Dieses Ungleichgewicht setzt sich auch hinter der Kamera fort. Unter den Hollywoodregisseuren, die richtig viel mit ihren Filmen verdienen, tauchen nur sehr vereinzelt Frauen auf.

"Das, was sich in der Branche abspielt, kann auf gar keinen Fall so bleiben. Ein Medium, das Rollenbilder in den Köpfen der Zuschauer formt, hat da eine besondere Verantwortung."
Simone Stewens von der Internationalen Filmschule Köln

In Deutschland haben sich inzwischen mehrere Filmhochschulen zusammengetan und versuchen, etwas in der Filmbranche zu ändern. Simone Stewens von der Internationalen Filmschule Köln sagt, dass sich die Branche auf jeden Fall ändern müsse, denn sie präge die Zuschauer schließlich auch mit gezeigten Rollenbildern. Die Filmhochschulen wollen sich einerseits dafür einsetzen, dass ihre Absolventinnen genauso gute Jobs bekommen wie ihre männlichen Kommilitonen und andererseits bei den Studenten ein Bewusstsein dafür schaffen, dass sie in ihren Filmen auf Gleichberechtigung achten. 

Ein Bereich, der natürlich ganz am Anfang eines Films steht, ist das Drehbuchschreiben. Und da hatte jetzt eine Drehbuchautorin aus Hollywood die Idee für eine Software. Sie hatte sich gedacht: Es wäre doch cool, wenn sich das Schreibprogramm nicht nur ums Layout kümmert und Wörter zählt, sondern auch mitdenken würde, wie die Geschlechterverteilung ausfällt.

Die Software rechnet Männer- und Frauenrollen aus

Jetzt können sich Drehbuchautoren also anzeigen lassen, wie viele Rollen in ihren Manuskripten männlich sind, wie viele Frauen auftauchen und vor allem auch, wer welchen Redeanteil hat. Sie können mit ihrem Entwurf auch direkt den Bechdeltest machen. Der stellt zum Beispiel die Frage: Reden die Frauen auch mal untereinander und wenn ja, sprechen sie nur über Männer oder vielleicht auch mal über relevante Dinge? 

Die Entwickler der Software hoffen jetzt, dass sie auf diese Weise die Probleme - direkt zu Beginn eines neuen Films - sichtbarer machen. Der Autor von "Charlie und die Schokoladenfabrik" hat sich dazu geäußert und findet die Software super. Er sagt: Als Autor arbeite er immer an einer Seite, feile an einzelnen Wörtern und Sätzen und manchmal verliere er da den Überblick für das große Ganze. Am Ende überwiegen dann vielleicht die männlichen Charaktere - ohne, dass er es extra gemacht oder überhaupt gemerkt habe. 

Eine andere Baustelle - um Filme etwas gendergerechter und vielfältiger zu gestalten - ist übrigens auch das Casting. Während Frauen in vielen Filmen nur als attraktives Model auftauchen, sehen wir sehr unterschiedliche Männertypen. Das müsste sich auch für Frauenrollen ändern, heißt es in der Branche: Frauen mit unterschiedlicher Hautfarbe, dicke Frauen, dünne Frauen, alte Frauen, junge Frauen.

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