Die üblichen Elektrofahrräder - sogenannte Pedelecs - dürfen nicht schneller als 25 km/h fahren. Tuning ist illegal. Viele machen es trotzdem.

E-Bike-Tuning, das ist ziemlich simpel. Ein kleiner Chip genügt, und schon fährt das Elektrorad ein bisschen schneller. 25 km/h sind eigentlich erlaubt. Mit dem Chip aus dem Internet fährt der Motor deutlich schneller. Und viele finden das einfach nur toll. Denn so kommt man schneller voran.

"Ein kleiner Chip gaukelt dem Motor halt eine andere Geschwindigkeit vor, und dann läuft der weiter."
Frank Güssgen, Inhaber von Cycle-Werx in Köln

Dieses "Vorgaukeln" oder Tunen ist strafbar: Wer keinen Pkw-Führerschein besitzt, fährt mit seinem frisierten E-Bike ohne Lizenz: Bis 45 km/h reicht eine Fahrerlaubnis für Kleinkrafträder der Klasse M, ein Verstoß dagegen ist eine Verkehrsstraftat. Das Gefährt müsste aber ein Versicherungsschild tragen. Tut es das nicht, erlischt der Haftpflichtversicherungsschutz. Und wenn der Fahrradhersteller bei der Wartung feststellt, dass das Rad getunt war, erlischt auch die Gewährleistung. 

Die Nachfrage nach Tuning-Teilen ist hoch

Das verrückte ist: Obwohl E-Bike-Tuning verboten ist, boomt der Markt mit Tuning-Teilen, wie Jens Müller vom E Bike Tuning Shop erzählt.

"Wir verdienen Geld dadurch, dass der Käufer eines E-Bikes den Wunsch hat, sein E-Bike schneller zu machen. Das ist der sogenannte After-Market: Der Käufer sitzt zu Hause und überlegt sich, was kann er noch mit seinem E-Bike machen. Und das Naheliegendste ist, es schneller zu machen."
Jens Müller, E Bike Tuning Shop

Für weniger als 100 Euro kann jeder mithilfe eines kleinen Bauteils sein E-Bike über die 25 km/h-Schwelle bringen. Für diese Schwelle haben E-Biker einen lustigen Namen: Sie nennen sie "Gummiwand". Weil die Räder des Bikes bis zu dieser Geschwindigkeit schön mitmachen - und dann ist plötzlich Schluss. Bei der "Gummiwand" hört für viele der Spaß auf.

"Der Kollege ohne Motor, der fährt ja auch so schnell."
Frank Güssgen, Inhaber von Cycle-Werx in Köln

Andere sehen das genau umgekehrt: Sie meinen, Tuning hat mit Spaß nichts zu tun. Es ist einfach illegal und gefährlich.

Die Saison beginnt und Polizei und Verkehrsforscher warnen vor den Gefahren des illegalen Tunings - vor Stürzen bei hoher Geschwindigkeit und Materialbrüchen. Frank Güssgen ist davon wenig beeindruckt. Die Geschwindigkeit müsse immer den Verhältnissen angepasst werden, meint er. Das sei auch beim Fahren mit einem normalen Fahrrad so.

"Es ist ja nicht so, dass ich mit einem Fahrrad nicht schneller als 25 fahren kann. Wenn ich damit nen Berg runterfahre, bin ich ganz schnell bei 50 km/h."
Frank Güssgen, Inhaber von Cycle-Werx in Köln

Wie viele E-Bikes getunet sind, dazu gibt es unterschiedliche Schätzungen. Oft ist von einem Drittel aller Elektrofahrräder die Rede. Frank Güssgen meint, es sind eher 3 Prozent. Doch warum überhaupt das Bike tunen? Warum kaufen sich die Leute nicht direkt ein schnelleres S-Pedelec, das eine Tretunterstützung bis 45 km/h hat?

S-Pedelecs dürfen schneller - müssen aber auf die Straße

Frank Güssgen denkt, das liegt zum Teil an der Gesetzgebung bei uns in Deutschland. Denn mit dem S-Pedelec darf man nicht mehr den Radweg benutzen. S-Pedelecs gelten als Kleinkrafträder und müssen auf der Straße fahren. Sie müssen angemeldet werden und es herrscht Helmpflicht.

"Warum wird das Pedelec so gut angenommen, und warum wird das S-Pedelec so schlecht angenommen? Was hat der Gesetzgeber hier falsch gemacht? Und was müsste er nachjustieren, damit der Pedelec-Fahrer nicht mehr tunen muss?"
Frank Güssgen, Inhaber von Cycle-Werx in Köln

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