Seit zwei Jahren sind E-Scooter auf deutschen Straßen unterwegs. So richtig haben sie sich nicht durchgesetzt.

Die E-Scooter stehen im Dutzend an Straßenrändern, sie liegen auf Wiesen herum, selbst auf dem Grund des Rheins sind sie gelandet. Vor exakt zwei Jahren sind E-Scooter zum ersten Mal auf deutschen Straßen zugelassen worden und haben sich seitdem stark verbreitet.

Genaue Zahlen gibt es allerdings keine. Die fünf großen E-Scooter-Unternehmen halten sie aus Wettbewerbsgründen geheim. Zumindest aber ungefähre Angaben haben sie herausgerückt. Grob geschätzt dürften Bird, Lime, Tier, Voi und Bolt mehr als 100.000 E-Scooter an den Start gebracht haben.

Sie sind auch kein reines Fortbewegungsmittel mehr, das den Großstädten vorbehalten ist. "Die Roller haben es aus den Großstädten raus geschafft und breiten sich auch in mittleren oder kleineren Städte aus", erklärt Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Ilka Knigge. "Deggendorf in Bayern hat zum Beispiel diese Woche beschlossen, E-Scooter zuzulassen."

E-Scooter keine Ergänzung zum ÖPNV

Das große Ziel, dass E-Scooter eine Ergänzung zum öffentlichen Nahverkehr werden könnten, ist aber bisher nicht erreicht worden. "Das ist immer noch mehr eine Hoffnung als Realität", sagt Ilka Knigge.

Die letzte Meile wird mit den Rollern kaum bewältigt, also die Strecke von Bahnhof zur Arbeit, von der U-Bahn-Station zur Uni und so weiter. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft und die TU Dresden haben E-Scooter-Fahrende in Berlin beobachtet und befragt: Drei Viertel sind zu Freizeitzwecken gefahren, viele der Befragten waren Touristinnen und Touristen, fasst die Zeit die Untersuchung zusammen.

Arbeitswege oder Einkäufe waren nur 3 bis 5 Prozent der Fahrten. Autofahrten werden sehr selten ersetzt, Radfahrten auch kaum, eher Fußwege oder Fahrten mit den Öffis.

"Die Scooter haben zwar eine deutlich bessere Ökobilanz als Autos, wenn wir aber davon ausgehen, dass sie diese nicht oder noch nicht ersetzen, dann ist das bisher keine gute Sache."
Ilka Knigge, Deutschlandfunk Nova

Weil kaum Autofahrten mit den E-Scootern ersetzt werden, ist ihre Ökobilanz ziemlich schlecht. Gerade die Leihscooter in Innenstädten mit gutem ÖPNV, kurzen Wegen, die man mit Rad oder zu Fuß gut schafft, sind nicht gut für die Umwelt. Zu dem Schluss kommt das Umweltbundesamt.

Deswegen wünscht sich auch der Verkehrsclub Deutschland, VCD, dass die Roller eine echte Alternative zu Autos werden können. "Es ist wichtig, dass der Platzbedarf umverteilt wird", erklärt Anika Mennken vom VCD dazu. "Die Autos haben einen sehr großen Flächenverbrauch und das könnte oder sollte man umnutzen für die E-Scooter."

Kurz: weniger private Autos in den Innenstädten, mehr Roller auch in den Randbezirken.