Das Gefühl von Einsamkeit kann erdrückend sein und uns runterziehen. Laut einer neuen Studie ist Einsamkeit sogar eine Abwärtsspirale. Die beginnt oft mit fehlendem Vertrauen in andere.

Seit der Coronavirus-Pandemie sprechen wir mehr über Einsamkeit. Bei einer Online-Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Yougov gaben im Oktober vergangenen Jahres 21 Prozent der 18- bis 24-Jährigen in Deutschland an, sich sehr oft einsam zu fühlen. Auch für viele Ältere war das häufig ein Thema.

Einsamkeit kann uns psychisch und körperlich krank machen. Diese Folgen von Einsamkeit sind bekannt. Ein Team aus Forschenden des Universitätsklinikums Bonn, der Universität Haifa in Israel und der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg wollte jetzt herausfinden, was die Ursache für Einsamkeit ist.

Das Gefühl dauerhafter Einsamkeit

Für ihre Studie haben sie aus einer Gruppe von etwa 3700 Erwachsenen 42 Studienteilnehmende ermittelt, die von sich sagen, dauerhaft einsam zu sein. In einem Fragebogen haben sie zum Beispiel angegeben, sich zu isolieren und soziale Kontakte zu meiden.

Eine psychische Vorerkrankung konnte ausgeschlossen werden. Die Teilnehmenden waren während der Studie auch nicht in therapeutischer Behandlung. Ihnen wurde eine Gruppe von 40 weiteren Erwachsenen gegenübergestellt, die sich nicht einsam fühlten.

Um die Ursache für ihre Einsamkeit auszumachen, haben die 42 Erwachsenen und die Vergleichsgruppe an verschiedenen Tests und Experimenten teilgenommen, während die Forschenden untersucht haben, was in ihrem Gehirn passiert.

Vertrauen in andere fehlt messbar

Das erste Experiment sollte zeigen, wie stark sie einer anderen Person vertrauen. Die Aufgabe der Teilnehmenden war es, Geld zu vermehren, das sie vorher bekommen hatten. Sie konnten ihr Startkapital allerdings nur vergrößern, wenn sie mit anderen Personen zusammen gearbeitet und ihnen dafür einen Teil ihres Geldes abgegeben haben.

Heraus kam: Die einsamen Menschen gaben seltener und weniger Geld ab. Sie vertrauten anderen also weniger als die Vergleichsgruppe. Auch in ihrem Gehirn war der Bereich weniger aktiv, bei dem es um das Wahrnehmen und Einordnen von Körpersignalen geht – der eigenen und die der anderen. Das ist die sogenannte Inselrinde.

Gespräche mit anderen lösen weniger aus

Bei einem weiteren Test haben die Forschenden ein Gespräch mit den Teilnehmenden geführt, das bewusst positiv ausgelegt war. Es ging zum Beispiel um ihre Hobbys oder darum, was sie mit einem Lottogewinn machen würden. Empfinden wir Gespräche als positiv, schüttet unser Körper Hormone wie Oxytocin aus, das für Bindung sorgt. Im Speichel der einsamen Menschen war die Konzentration des Bindungshormons aber geringer als bei der Vergleichsgruppe.

"Einsame Menschen fühlen nicht nur, dass ihnen eigentlich positive soziale Interaktion nicht so viel gebracht hat. Ihre körperliche Reaktion auf Menschen ist wirklich messbar anders."
Tina Howard, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Einsamkeit als Abwärtsspirale

Für die Forschenden ist fehlendes Vertrauen daher eine entscheidende Ursache, die eine Abwärtsspirale der Einsamkeit auslöst: Trauen wir anderen nicht, haben wir weniger soziale Kontakte und machen weniger positive Erfahrungen. Um diese Abwärtsspirale zu durchbrechen, sollte deshalb bei der verzerrten Wahrnehmung angesetzt werden, andere Menschen seien nicht vertrauenswürdig, so die Forschenden.

Lass dir helfen!

Bestimmte Dinge beschäftigen dich im Moment sehr? Du hast das Gefühl, in einer ausweglosen Situation zu stecken? Wenn du dir im Familien- und Freundeskreis keine Hilfe suchen kannst oder möchtest, findest du hier einige anonyme Beratungs- und Seelsorgeangebote:

  • Telefonseelsorge: Unter 0800-111 0 111 oder 0800-111 0 222 erreicht ihr rund um die Uhr Mitarbeiter, mit denen ihr über eure Sorgen und Ängste sprechen könnt. Auch ein Gespräch via Chat oder E-Mail ist möglich.
  • Kinder- und Jugendtelefon: Der Verein "Nummer gegen Kummer" kümmert sich vor allem um Kinder und Jugendliche, die in einer schwierigen Situation stecken. Erreichbar montags bis samstags von 14 bis 20 Uhr unter der Rufnummer 116 111.
  • Hier findest du eine Übersicht von Telefon- und Online-Beratungen in Deutschland: suizidprophylaxe.de.
  • Muslimisches Seelsorge-Telefon: Die Mitarbeiter von MuTeS sind 24 Stunden unter 030-44 35 09 821 zu erreichen. Bei MuTeS arbeiten qualifizierte Muslime ehrenamtlich. Ein Teil von ihnen spricht auch türkisch.