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Einzelkinder sind verwöhnt, können nicht teilen und denken immer nur an sich. Stimmt das? Zusammen mit Einzelkind Nicola Erdmann gehen wir den drei klassischen und hartnäckigen Klischees auf den Grund.

Andere Kinder trugen die Klamotten ihrer älteren Geschwister auf, zankten sich mit ihnen um die Fernbedienung oder hatten immer jemanden zum Quatschen. Journalistin Nicola Erdmann kennt das nicht. Denn sie wuchs als Einzelkind einer alleinerziehenden Mutter auf.

Drei Vorurteile gegenüber Einzelkindern im Realitätscheck mit Einzelkind Nicola Erdmann:

  • Einzelkinder sind verwöhnt.
    Jeder Mensch würde von sich selbst denken, dass er oder sie nicht verwöhnt sei, so Nicola Erdmann. "Aber meine Mama hatte nur mich. Ich hatte Flötenunterricht, war beim Ballett und all diese Sachen. Es stand nie zur Debatte, ob das geht oder nicht, ob da noch jemand anderes ist, der andere Bedürfnisse hat, weshalb ich das vielleicht nicht hätte machen können", sagt die Journalistin und stimmt diesem Klischee deshalb aus eigener Erfahrung eher zu. "Natürlich ist in dieser reinen Kapazitätenfrage ein Einzelkind besser dran, weil es sich die Kapazitäten der Eltern nicht teilen muss", begründet sie.
  • Einzelkinder sind nicht teamfähig.
    Ein Vorurteil, das Nicola Erdmann zufolge völliger Quatsch sei. "Ich war immer Teil von Teams oder Cliquen. Ich denke, ich kann das vielleicht sogar besser, weil ich immer alleine war. Ich musste immer überall alleine hingehen und gucken, dass ich meinen Platz in der Gruppe oder im Team finde und schauen, was ich dazu beitragen kann und was meine Rolle ist", sagt sie.
  • Einzelkinder haben ein übersteigertes Selbstwertgefühl.
    Den Ursprung dieses Klischees könne sich Nicola Erdmann nicht erklären. "Das ist bei mir überhaupt nicht so, ich glaube vielmehr das Gegenteil ist der Fall. Ich musste mich im Familienalltag nicht gegen irgendwen durchsetzen. Ich war eher ein schüchternes Kind und auch im Berufsleben lange eher zurückhaltend", so die Journalistin.

Als Kind habe sie Geschwister nie vermisst, sagt Nicola Erdmann. "Ich habe ja Freunde", habe sie damals gedacht. Inzwischen sieht sie das ein wenig anders.

"Je älter man wir, desto wichtiger wird Familie. So was wie eine gemeinsame Prägung, gemeinsame Erinnerungen – das hast du oder nicht."
Nicola Erdmann über das Einzelkind-Sein

Einzelkind im Erwachsenenalter

Eine Situation, in der sich Nicola Erdmann beispielsweise Geschwister gewünscht habe, sei eine Hand-Verletzung ihrer Mutter gewesen. "Da ist dann niemand da, mit dem ich die Verantwortung, die Ängste und die Sorgen teilen kann", sagt sie. So wie Nicola Erdmann wächst dem Statistischen Bundesamt zufolge rund jedes vierte Kind in Deutschland auf – das ist die Zahl der alleine in einem Haushalt lebenden Kinder.

Dabei muss jedoch beachtet werden, dass diese Zahl nicht zwangsläufig bedeutet, dass diese Kinder keine Geschwister haben. So können der große Bruder oder die große Schwester beispielsweise schon ausgezogen sein oder Geschwister erst in der Zukunft geboren werden. Deshalb ist es für Demografinnen und Demografen eher wichtig, wie viele Kinder eine Frau im Durchschnitt bekommt. Denn rückwirkend wissen Forschende auch, wie viele Frauen keine Kinder bekommen, wodurch sie das Verhältnis von Einzelkindern zu Geschwisterkindern bestimmen können.

2020 bekam eine Frau im Mittel 1,54 Kinder. Damit hatte mehr als jedes zweite Baby hierzulande zum Zeitpunkt der Geburt schon Geschwister – und viele dieser Menschen haben immer noch eine Menge Klischees im Kopf, wenn es um Einzelkinder geht.

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