Bei kaputten Elektrogeräten heißt es meist: Wegwerfen statt reparieren. Vor allem die Hersteller selbst erschweren oft die Reparatur. Ein neues EU-Gesetz soll das ändern.

Smartphones, Laptops oder Kühlschränke halten meist sehr viel kürzer als sie eigentlich könnten. Denn eine Reparatur wird oft gar nicht erst versucht: Innerhalb der Garantie bekommen Verbraucher*innen gleich ein neues Gerät zugesandt. Wer sein Gerät in einer unabhängigen Werkstatt reparieren lassen will, steht oft vor dem Problem, dass die Ersatzteile nicht erhältlich sind.

Ressourcen sparen und die Umwelt schonen

Ein neues EU-Gesetz will Verbraucher*innen in Zukunft dabei unterstützen, ihre Elektrogeräte unkompliziert und günstig reparieren zu lassen. Anna Cavazzini ist Abgeordnete im EU-Parlament und Vorsitzende des Ausschusses für Binnenmarkt und Verbraucherschutz. Sie hat am Gesetz mitgearbeitet.

Sie hofft, dass durch das Gesetz künftig Millionen Tonnen von CO2 eingespart und die Umwelt geschont wird, indem das Leben unserer Elektrogeräte verlängert wird.

Anna Cavazzini, Grümnen-Abgeordnete im EU-Parlament
"77 Prozent der EU-Bürger geben an, dass sie eine Reparatur vornehmen lassen würden, doch tatsächlich lassen nur 22 Prozent ihre Elektrogeräte reparieren."

Es besteht dringender Handlungsbedarf: In der EU fallen jährlich 35 Millionen Tonnen Abfall, 30 Millionen Tonnen verschwendete Ressourcen und 261 Millionen Tonnen Treibhausgas-Emissionen an. Ein Teil davon könnten wir sparen, wenn weniger Elektrogeräte produziert und weggeschmissen werden würden.

Das EU-Gesetz sieht vor, den Weg zu einer Reparatur zu erleichtern. Denn bisher stehen vor allem die Hersteller selbst im Weg.

Das Gesetz soll:

  • den Zugang zu Ersatzteilen erleichtern.
  • den Zugang zu Reparatur-Anleitungen öffnen, sodass auch Verbraucher*innen, Repair-Cafés und unabhängige Werkstätten darauf Zugriff haben.
  • bestimmte Praktiken verbieten. Dazu zählt etwa die sogenannte Serialisierung. Damit ist gemeint, dass Unternehmen ihre Produkte verschließen und nur selbst eine Reparatur anbieten. Der Reparaturmarkt soll so geöffnet werden, dass ein Produkt von unterschiedlichen Anbietern repariert werden kann.
  • die Wegwerf-Praxis durch eine Reparatur-first-Politik ersetzt werden. Das bedeutet: Innerhalb der Gewährleistung soll die Reparatur Priorität haben. Erst wenn diese erfolglos war, gibt es ein neues Gerät.

Anna Cavazzini kennt die aktuelle Politik der meisten Hersteller auch aus ihrem Privatleben. Obwohl an ihrem Kühlschrank nur die Lasche eines Gefrierschrank-Kästchens kaputt war, wurde nicht das Kästchen ersetzt, sondern der ganze Kühlschrank.

"Das Ziel des Gesetzes ist, dass schlussendlich weniger Produkte verkauft und Elektrogeräte länger im Umlauf sind. Das gefällt Teilen der Industrie natürlich nicht."
Anna Cavazzini, Grümnen-Abgeordnete im EU-Parlament

Das Gesetz soll im Februar oder März 2024 verabschiedet werden. Ab dem Zeitpunkt haben EU-Mitgliedstaaten zwei Jahre Zeit das Gesetz umzusetzen. Leicht war es nicht, das Gesetz auf den Weg zu bringen, denn der Druck der Lobbies war groß, erzählt die Politikerin.

Schließlich ist das erklärte Ziel des Gesetzes, weniger Produkte zu verkaufen und Ersatzteile für alle zugänglich zu machen. Einen Nachteil für europäische Unternehmen sieht Anna Cavazzini aber nicht: Auch chinesische oder us-amerikanische Unternehmen müssen sich an das Gesetz halten, wenn sie ihre Produkte in der EU verkaufen wollen.

Reparieren gegen Spende: Repaircafés

Das Gesetz könnte schon bald dafür sorgen, dass wir mit unserem Smartphone, bei dem langsam der Akku schlapp macht, nicht mehr nur eine teure Reparatur beim Hersteller anfragen können, sondern auch in unabhängige Werkstätten oder Repaircafés gehen können, wo das Leben unserer Elektrogeräte für wenig Geld verlängert werden kann.

Muharrem Batman, arbeitet im Repaircafé am Hermannplatz in Berlin
"Der Markt ist voll von No-Name-Produkten. Die wollen Unternehmen oft nicht reparieren. Sie sagen: Die sind ja schließlich zum Wegwerfen gedacht."

Muharrem Batman arbeitet im Repaircafé am Hermannplatz in Berlin. Er sagt: Elektrogeräte lassen sich in den allermeisten Fällen reparieren – es braucht aber die Zeit, Lust und das Wissen dazu. Durch den Fachkräftemangel ist letzteres rar geworden. Doch in seinem Repaircafé versucht er, auch No-Name-Produkte wieder zum Laufen zu bringen. Grundsätzlich rät er aber zum Kauf von Markenprodukten. Er sagt: Wer billig kauft, kauft dreimal. Außerdem lassen sich Ersatzteile von Markenprodukten sehr viel leichter auftreiben.

Reparieren lernen

Am öftesten landen Küchengeräte in seinem Reparaturcafé. Die lassen sich oft mit wenigen Griffen reparieren. Zuletzt musste er nur die Thermosicherung eines Handmixers austauschen und schon war das Gerät wieder einsatzbereit.

In seinem Café bietet Muharrem eine Reparatur gegen eine kleine Spende an. Wenn die Kund*innen wollen, zeigt er ihnen auch, wie er die Geräte repariert. Doch bei Geräten wie einem Toaster, lässt er das lieber sein: Da herrscht mitunter Verletzungsgefahr bei Laien.

  • Moderatorin: Clara Neubert
  • Gesprächspartnerin: Anna Cavazzini, Abgeordnete im EU-Parlament und Vorsitzende des Ausschusses für Verbraucherschutz
  • Gesprächspartner: Muharrem Batman, arbeitet in einem Repair-Cafe in Berlin