Welche Infos hat mein Hausarzt meinem Allergologen weitergegeben? Und welche der Klinik, in die ich kurze Zeit später musste? Bei solchen Fragen will die Techniker Krankenkasse (TK) in Zukunft für mehr Durchblick sorgen – und stellt die bundesweite "elektronische Gesundheitsakte" (eGa) vor. 

Wenn ihr schwerwiegender krank oder verletzt seid und von Praxis zu Praxis rennt oder auch mal ins Krankenhaus müsst, dann habt ihr vielleicht auch schon mal das Gefühl gehabt, dass es da nicht immer rund läuft mit den Absprachen zwischen den Ärzten.

Mehr Transparenz

Im schlimmsten Fall werden sogar Untersuchungen doppelt durchgeführt. Auf jeden Fall seid ihr euch vielleicht nicht so sicher, welche Infos über euch die verschiedenen Ärzte weitergegeben haben. Und genau bei dieser Unsicherheit soll die App der Techniker Krankenkasse nun Klarheit schaffen. Ihr tragt aber nicht die Daten selbst mit euch rum, erklärt unser Netzreporter Michael Gessat, sondern sozusagen den Zugangsschlüssel, um an die Daten zu kommen.

"Die eGa könnt ihr auf dem Handy oder Tablet mit euch rumtragen – sie ist angedockt an die App der TK."
Michael Gessat, Deutschlandfunk Nova Netzreporter

Zugang zum Datentresor

Die Daten selbst liegen in einem Datentresor, dem "TK-Safe". Der Kooperationspartner, also Speicherdienstleister ist IBM. 

"In den Safe kommt nur das rein, was ihr wollt – der Versicherte hat die Hoheit über seine eGA."
Michael Gessat, Deutschlandfunk Nova Netzreporter
  • Bei einer Krankenhausentlassung oder Überweisung könnt ihr den Arztbrief dort ablegen lassen, inklusive Röntgenbildern oder Medikamentenliste
  • Ihr könnt aber dort auch selbst Daten eingeben und abspeichern und dann zur eigenen Info und besseren Übersicht nutzen 
"Das Ganze ist momentan noch ein beta-Test. Ihr müsst erst die App installieren, dann bekommt ihr ein Passwort per Post und dann erst könnt ihr das eGA-Zusatzmodul installieren."

In einer wunderbaren Welt kann der neue Arzt oder das Krankenhaus die Daten dann – mit meiner Genehmigung – lesen und in sein System übernehmen. 

Problem: Kompatibilität der Systeme

Beim Datenexport und -import hakelt es allerdings noch gewaltig, hat die TK unserem Netzreporter verraten. Es gibt nämlich viele verschiedene IT-Systeme und Medizinsoftwares. Zu Testzwecken hat die TK zunächst mal mit einer Klinikkette kooperiert und da die Schnittstellen kompatibel gemacht. Andere Kliniken haben aber signalisiert, dass sie sich anschließen wollen. 

An sich soll die Patientenakte ja auch ein Bestandteil der "elektronischen Gesundheitskarte" werden, die wir alle mit uns rumtragen, sagt unser Netzreporter. Doch genau diese Frage – wie läuft der Datenaustausch – ist ja einer der Gründe dafür, warum diese Karte immer noch nicht fertig ist.

"Im Grunde ist die TK hier mit einer eigenen Lösung vorgeprescht."
Michael Gessat, Deutschlandfunk Nova Netzreporter

Das bedeutet aber auf der anderen Seite auch, dass die Lösung der TK in eine Sackgasse führen könnte – wenn denn dann nämlich die Gesundheitskarte irgendwann doch mal fertig wird. 

Weg in die Sackgasse?

Oder wenn andere Krankenkassen ihr eigenes Modell entwickeln. Nebenbei gibt es ja auch schon andere Anbieter für so eine eGa in Eigenregie, sagt Michael - etwa die vitabook GmbH.

"Immerhin setzt die TK beim Datenformat auf den Standard FHIR. Der steckt auch im neuen iOS für iPhones oder iPads drin."
Michael Gessat, Deutschlandfunk Nova Netzreporter

Ein Zwang für alle TK-Versicherten ist die eGA nicht. Leute mit Datenschutzbedenken können die Finger davon lassen, sagt Michael. So ein System könnte ja im Extremfall auch gehackt werden.

Aufgrund der Verschlüsselung können weder die TK noch IBM reinschauen in die eGa – es gibt also auch keine Auswertung der Daten. Diese wäre natürlich durchaus interessant für die Krankenkasse, aber eben heikel für euch.

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