"Papa – ich kann nicht schlafen": Durchschlafen müssen Kinder erst lernen und halten daher auch ihre Eltern in der Nacht oft wach. Was macht das mit den Eltern, wenn der Schlaf oft unterbrochen wird, weil das Baby Hunger hat oder Nähe sucht?

Für viele junge Eltern ändert sich in den ersten Monaten und Jahren nach der Geburt ihres Kindes der Schlaf. Einige können mit den Unterbrechungen in der Nacht gut umgehen, für andere ist die neue Situation sehr fordernd. Neupapa Jonas sagt, die Anfangszeit war sehr anders als sein vorheriger Schlaf.

"Ich war öfter wach, aber bin auch immer wieder schnell eingeschlafen, einfach weil der Kleine am Anfang in Summe viel geschlafen hat – zwar mit Unterbrechungen, aber er hat viel geschlafen."
Jonas, 29, ist vor eineinhalb Jahren Vater geworden 

Jonas lebt mit seiner Frau in Aschaffenburg und die beiden sind zum ersten Mal Eltern geworden. Als ihr Sohn etwa ein halbes Jahr alt war, hat er sich nachts alle zwei Stunden gemeldet.

"Ich habe gemerkt, dass ich selber ein bisschen dünnhäutiger geworden bin und wir untereinander einfach schneller in kleine Streitereien gekommen sind über Sachen, die vorher nicht so relevant waren."
Jonas, 29, ist vor eineinhalb Jahren Vater geworden 

Jonas sagt, er habe sich die Anfangszeit insgesamt viel anstrengender vorgestellt und den Schlafmangel eigentlich gut weggesteckt. Trotzdem streiten sie als Paar schneller über Kleinigkeiten.

Wenig Schlafforschung über Elternschlaf

Aus der Schlafforschung gibt es wenige Studien, die die Situation junger Eltern genau untersuchen. Die existierenden Studien wurden außerdem eher mit einer kleinen Anzahl an Probandinnen und Probanden gemacht. Teils wurden Eltern ebenfalls einfach zu ihrem Schlaf befragt und der Schlaf wurde nicht objektiv im Schlaflabor gemessen. Das kann zu Verzerrungen führen.

"Wenn der Schlaf der Kinder irgendwann hauptsächlich in der Nacht stattfindet, sie einen klaren Tag-Nacht-Rhythmus entwickeln, beginnt auch der Schlaf der Eltern sich wieder zu normalisieren."
Dr. Christine Blume, Schlafforscherin an der Uni Basel 

Was die Forschung derzeit sagen kann, scheint logisch: Nach der Geburt eines Kindes ist die Mutter nachts häufiger wach. Außerdem schläft sie insgesamt auch weniger. Eine Studie aus den USA hat das bestätigt, indem der Schlaf von Müttern im letzten Schwangerschaftsdrittel gemessen und mit ihrem Schlaf kurz nach der Geburt verglichen wurde.

Schlafmangel und die Folgen

Insgesamt kann der Schlafmangel dazu führen, dass sich Eltern dauerhaft müde fühlen. Das kann belastend sein, die Konzentration kann leiden und auch die Stimmung. Da unterscheidet sich die Situation von Eltern auch nicht von der Situation von Menschen in Schichtarbeit oder denen, die aus anderen Gründen zu wenig Schlaf bekommen.

"Für mich klingt das so, als würde sich der Schlaf zwar verändern, aber der Körper reagiert auch so flexibel auf diese neue Situation, dass er das 'Bestmögliche' noch rausholt."
Dr. Christine Blume, Schlafforscherin an der Uni Basel 

Schlafforscherin Dr. Christine Blume sagt aber, der Körper kann sich auf die neue Situation zumindest ein Stück weit einstellen. Eine Studie aus Japan hat beispielsweise gezeigt, dass Mütter sechs Wochen nach der Geburt zwar weniger Leichtschlaf hatten, aber dafür sind sie nach dem Aufwachen schneller wieder in den Tiefschlaf gefallen.

"Wir wissen, dass soziale Kontakte und gute familiäre Bindungen sich positiv auf die Gesundheit auswirken – möglicherweise gibt es da einen Ausgleich der negativen Folgen des Schlafmangels auf anderen Ebenen."
Dr. Christine Blume, Schlafforscherin an der Uni Basel

Außerdem betont Christine Blume, dass es wichtig ist, im Kopf zu behalten, dass Schlafmangel über eine lange Zeit zwar negative gesundheitliche Folgen haben kann, ein Kind aber wiederum andere positive Aspekte für das Leben der Eltern mit sich bringt. Zusätzlich kann auch das Stillen möglicherweise den Schlaf der Mutter beeinflussen. Laut Christine Blume, gibt es aber auch unterschiedliche Strategien für Eltern, die unter Schlafmangel leiden.

Hinweis:

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