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Jahrelang leidet Anna unter starken Bauchschmerzen, kein Arzt kann ihr eine Diagnose stellen. Ihr Schmerz wird oft nicht ernst genommen. Bei einer Operation wird zufällig Endometriose entdeckt. Damit muss Anna für immer leben.

Nachdem Anna in einer BWL-Vorlesung ein Käsebrötchen isst, bekommt sie plötzlich starke Bauchschmerzen – erst in der Magen-, dann in der Lebergegend. "Ich bin unter Tränen nach Hause gegangen. Ich konnte ganz schlecht laufen", erinnert sie sich.

"Ich hatte so dolle Leberschmerzen. Das ging ruckartig von null auf hundert."
Anna über ihre Bauchschmerzen

Anna geht nicht sofort zum Arzt, versucht den Schmerz wegzuschlafen, obwohl er tagelang immer wieder in Wellen zurückkommt. "Ich bin so ein Mensch, ich versuche das erstmal abzuwarten, weil ich immer die Erfahrung mit Ärzten gesammelt habe, dass ich ein kerngesundes Mädchen bin und da nichts sein könnte", sagt Anna. "Das war leider nicht gut in dem Fall."

Jedes halbe Jahr kommen die Schmerzen in der Lebergegend ruckartig zurück. Sie hat auch andere Symptome: Anna kämpft gegen starke Kopfschmerzen, ist oft müde. Drei Monate lang hat sie eine "extrem starke" Monatsblutung, sodass ihre Mitbewohnerin sie sogar ins Krankenhaus fährt. Ihre Gynäkologin meint einfach nur: "Damit müssen Sie leben."

Annas Schmerzen werden nicht ernstgenommen

Sie versucht, durch ein Schmerztagebuch nachzuvollziehen, wann die Schmerzen vorkommen. "Das war meistens während der Klausurphase", stellt die Studentin fest. Deshalb vermutet Anna, dass die Ursache psychosomatisch sein könnte.

Sie geht zum Neurologen wegen der Kopfschmerzen und stößt auch dort auf Ratlosigkeit. Wegen der Bauchschmerzen vermuten Ärzte Gallensteine – aber auch die werden nicht gefunden, sagt Anna: "Man hätte mir fast meine Gallenblase rausoperiert, obwohl ich da eigentlich nichts habe."

"Ich hatte lange Zeit gar keine Diagnose."
Anna über drei Jahre voller Schmerzen

Die Schmerzen werden immer schlimmer: "Die letzten eineinhalb Jahre war es konstant, chronisch. Jeden Tag habe ich ein Stechen gefühlt als wäre ich ganz doll gerannt und hätte Seitenstechen – den ganzen Tag über." Anna "ernährt" sich in dieser Zeit von Ibuprofen, wie sie selbst beschreibt.

Schließlich wird Anna operiert, weil die Ärzte eine Spieghel-Hernie, also einen Riss zwischen Bauchmuskeln, vermuten. Das Versprechen: Die Muskeln werden wieder zusammengenäht und Anna ist danach wieder beschwerdefrei. Als die Ärzte operieren, finden sie aber Entzündungs-Herde. Eine Gynäkologin stellt nach drei Jahren Ungewissheit endlich die Diagnose: Anna hat Endometriose.

Was ist Endometriose?

Bei einer Endometriose-Erkrankung breitet sich Gebärmutterschleimhaut-ähnliches Gewebe in anderen Teilen des Körpers aus – das passiert oft im Bauchraum, wie bei Anna, und seltener in anderen Organen wie der Lunge oder dem Gehirn. Dieses Gewebe blutet während oder auch außerhalb des hormonellen Zyklus mit, wobei das Blut nicht abfließen kann. So kommt es zu Entzündungen und starken Schmerzen, die Symptome sind sehr individuell. Meist kann Endometriose nur durch eine Bauchspiegelung sicher diagnostiziert werden.

Weil die Erkrankung nicht oft korrekt diagnostiziert wird bzw. lange Zeit bis dahin vergeht, ist nicht klar, wie viele Menschen in Deutschland an Endometriose leiden. Geschätzt werden etwa zehn bis 15 Prozent aller Menstruierenden. Endometriose ist auch ein großer Faktor, wenn es um Schwangerschaft und Unfruchtbarkeit geht: Verschiedene Quellen geben an, dass bei 40 bis 60 Prozent der Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch Endometriose dahintersteckt.

"Ich weiß noch ganz genau, wie ich aufgewacht bin und das Wort Endometriose noch nie in meinem Leben gehört habe."
Anna über ihre Diagnose

Als Anna nach der OP aufwacht, bekommt sie die Diagnose. "Ich dachte mir erstmal nicht so viel dabei. Aber als ich dann aufgeklärt wurde und dann Zeit hatte, selber nachzugucken, was das eigentlich ist, bin ich in Tränen ausgebrochen", erzählt die Studentin. "Ich habe ja gedacht, dass ich geheilt aufwache, und jetzt habe ich eine chronische Krankheit."

Obwohl die Herde während der Operation rausgeschnitten wurden, sind Annas Symptome nicht direkt weg – denn heilbar ist Endometriose nicht. Inzwischen nimmt sie die Pille, die als eines der wenigen bekannten Mittel nachweislich die Herde eindämmen soll.

Anna wünscht sich mehr Verständnis und Aufklärung

Insgesamt wünscht sich Anna, dass "jeder Arzt darüber aufgeklärt sein sollte", damit die Diagnose schneller verlaufen kann. Menschen, die an Schmerzen leiden und vielleicht nicht ernst genommen werden, ermutigt Anna trotzdem an sich selbst und das eigene Körpergefühl zu glauben: "Auch wenn dir vielleicht der eine Arzt nicht helfen kann - der dritte wird es dann tun."