Täglich müssen wir mehrere tausend Entscheidungen fällen. Das kann stressen. Vor allem dann, wenn wir uns beim Grübeln im Kreis drehen. Die psychologische Psychotherapeutin Sonia Kessler-Scheil gibt uns Tipps für die Entscheidungsfindung.

Knifflige Entscheidungen begleiten uns im Großen wie im Kleinen tagtäglich. Was aber, wenn wir in unserer Entscheidungsfindung stets an derselben Stelle hängen bleiben?

Sonia Kessler-Scheil ist psychologische Psychotherapeutin und gibt Entwarnung. Wichtig sei es, einen Blick auf die Umstände zu werfen, unter denen das Entscheidungsproblem existiert: "Grundsätzlich kann man das durchaus Lernen. Dafür gibt es Techniken."

Welcher Entscheidungstyp bin ich?

Laut der Expertin tummeln sich unterschiedliche Entscheidungstypen unter uns. Wer etwa ein stabiles Selbstwertgefühl hat, der macht sich tendenziell weniger Gedanken darüber, mit seiner Entscheidung die Erwartungen anderer zu enttäuschen.

"Es gibt die Kategorie, die sehr zupackend ist und Learning-by-Doing betreibt. Und es gibt Leute, die etwas zögerlicher und zurückhaltender sind."
Sonia Kessler-Scheil, psychologische Psychotherapeutin

Während die Anpackenden vor allem durch die eigenen Fehler lernen, spielen die Zögernden Entscheidungsszenarien und deren Konsequenzen im Kopf durch, bevor sie handeln.

Für alle, die sich in der zweiten Kategorie wiedererkennen, hat Sonia einen Tipp: "Der Bauch hat immer recht." Dieses Bauchgefühl könne übrigens auch mal dann überwiegen, wenn uns zeitgleich eine rationale Betrachtung zu einer gegenläufigen Entscheidung bringen würde.

Entscheidungs-Kniffe

Alle, die zu lange hin- und herüberlegen, könnten sich auf einem Blatt Papier die Vor- und Nachteile von zwei Auswahlmöglichkeiten aufzeichnen, so Sonia. "Dann kann ich die einzelnen Punkte, die in den Feldern stehen, gewichten. Das kann man auch ganz direkt mit Kilogrammangaben machen." So könne man am Ende feststellen, in welchem Feld die Argumente am schwersten wiegen.

"Was genau wäre denn daran eigentlich so schrecklich?"

Einmal Stift und Papier in der Hand lässt sich auch aufschreiben, was denn das schlimmste Szenario wäre, dass bei unserer Entscheidung eintreffen könne. "Wäre das wirklich so schlimm, wie man es sich manchmal vormacht?"

Zusätzlich können uns Deadlines helfen, einen gewissen Zeitrahmen beim Entscheiden einzuhalten. Auf die dürfen dann laut Sonia auch Freunde, Familie oder Partner gern einen kontrollierenden Blick werfen.

Trotz allen Anstrengungen kann es passieren, dass wir einen Punkt erreichen, an dem wir gedanklich nicht mehr weiterkommen. Das nennt man dann eine "Grübelspirale": Weil wir Angst vor bestimmten Konsequenzen einer Entscheidung haben, springen wir mental immer wieder an den Anfangspunkt des Problems zurück.

"Das haben Grübelspiralen so an sich – dass sie eskalieren."
Sonia Kessler-Scheil, Psychologische Psychotherapeutin

Für den Umgang mit schlechten Entscheidungen hat Sonia abschließend noch einen positiven Hinweis: Am wichtigsten sei eine gesunde Fehlertoleranz. "Es kommt nicht darauf an Fehler zu machen, sondern darauf, wie ich mit Fehlern umgehe."

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