Es kostet viel Geld, um aus einem Krisengebiet zu fliehen. Viele Menschen verfügen nicht über die Mittel dafür. Entwicklungshilfe kann ein Grund dafür sein, dass mehr Menschen ihr Land verlassen.

Für die armen Menschen in Afghanistan, im Nordirak oder in Libyen stellt sich die Frage gar nicht: Denn sie können es sich nicht leisten, ihr Land zu verlassen. Nur wer über ein bestimmtes Einkommen und die Netzwerke verfügt, ist in der Lage, beispielsweise Schlepperbanden zu bezahlen. 

"Mit steigender Bildung und steigendem Einkommen können es sich erst sehr viel mehr Leute leisten in andere Länder zu wandern."

Entwicklungshilfe soll dabei helfen, wirtschaftliche und politische Stabilität in die jeweilige Region zu bringen. Das Ziel: eine politische und wirtschaftliche Grundlage dafür zu schaffen, um Menschen eine halbwegs sichere Lebensgrundlage in ihrer Heimat zu bieten. 

Studien zeigen aber auch, dass Menschen, deren finanzielle Situation in Entwicklungsgebieten sich verbessert, oftmals ihr Land verlassen, sagt Migrationsforscher Thomas Bauer. Als Beispiel nennt er die große Flüchtlingsbewegung in der Zeit 2015/2016. 

"Die Ärmsten der Armen werden nicht wandern. Sie können sich das nicht leisten und haben nicht die nötigen Netzwerke und Informationen für eine solche Entscheidung."

Auch Menschen, die aufgrund ihres hohen Bildungsstandards eine Perspektive in ihrem Land hätten, wandern oft aus. In europäischen Ländern haben sie oft Aussicht auf eine bessere Ausbildung und ein höheres Gehalt. 

Die Zahl der Menschen, die aus ihrem Land auswandern, nimmt zu, sobald sich ihre finanzielle Situation beispielsweise durch Entwicklungshilfe verbessert. Wenn sich die wirtschaftliche und soziale Lage allerdings weiter stabilisiert, verlassen wieder weniger Menschen ihr Land.

"Ich bin ein Freund der Entwicklungshilfe, wenn sie richtig gemacht wird."

"Es reicht nicht, nur Geld in diese Länder zu überweisen und in bestimmte Projekte zu stecken."  Es ist wichtig, dass demokratische Strukturen aufgebaut und die Korruption bekämpft wird, sagt Migrationsforscher Thomas Bauer. Weiterhin muss unsere Politik "entwicklungsfreundlicher" gestaltet werden, betont er. Denn es hilft nichts, wenn wir ein Land fördern und dann mit unserer Agrar- und Handelspolitik die Märkte in dieser Region indirekt wieder kaputtmachen. 

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