Spotify bietet eine besonders persönliche Playlist an: Wer seine DNA analysieren lässt und die Daten herausrückt, soll die die dazu passende Playlist bekommen. Ob und wie so etwas funktioniert, hat unsere Reporterin Rebekka Endler recherchiert.

Personalisierte Playlists sind super, wenn sie uns Titel vorspielen, die wir sowieso gerne hören. Und noch besser, wenn sie uns Musik vorschlagen, die wir noch nicht kennen, die aber perfekt zu unserem Musikgeschmack passt. Dass uns Musik angeboten wird, die wir mögen könnten, das gibt es ja schon eine ganze Weile.

Spotifys DNA-Playlist sucht Musik nach Herkunft aus

Das hier soll nun der neue Clou sein: Spotify bietet Playlists an, die auf unser Genom abgestimmt sein sollen. Dazu müssen wir nur einen DNA-Selbsttest machen und die Ergebnisse mit Spotify teilen. Noch persönlicher geht es eigentlich gar nicht mehr! 

Allerdings: Ganz abgesehen davon, dass sicher nicht jeder gerne seine Gen-Informationen mit einer Streaming-Plattform teilt, stellt sich auch die Frage, nach welchen Vorgaben unser Genom dabei analysiert wird und nach welchen Kriterien uns dann Musiktitel vorgeschlagen werden. Eines der Stichwörter ist hier Herkunft - verkürzt gesagt: Deutsche Gene = deutsche Musik. 

Mainstream-Musik, nein danke!

Da könnten einige von uns allerdings aufschreien: Moment mal! Aber ich mag doch gar keine Mainstream-Musik, die in Deutschland erfolgreich ist. Adel Tawil? Nicht mein Fall. Atemlos? Bitte nicht! Und grenzt es nicht an Rassismus, dass einem User Musik vorgeschlagen wird, nur weil er aufgrund seiner DNA irgendwo herkunftsmäßig verortet wurde? Diese kritische Frage warfen zumindest Passanten auf, die unsere Reporterin Rebekka Endler zum Thema befragt hat.

Aber wie soll die DNA-Playlist überhaupt funktionieren? Ganz sicher lässt sich das nicht sagen, sagt der Genetiker Fabian Staubach, weil Spotify das nicht preisgibt. 

"Das Problem ist, dass ich darüber nichts Genaues sagen kann, weil ich nicht genau weiß, was die da machen. Die Algorithmen sind Firmengeheimnis."
Genetiker Fabian Staubach über Genom-Analysen und dazu passende Spotify-Playlists

Aber vermutlich laufe es so ab: Damit Spotify eine dem Erbgut angepasste Playlist erstellen kann, wird zunächst eine sogenannte Genomweite Assoziationsstudie (GWAS) durchgeführt, bei der - verkürzt gesagt - nach bestimmten Markern Ausschau gehalten wird. Diese Marker sind eindeutig zu identifizierende Stellen im Erbgut.

Herkunftsbestimmung durch DNA-Vergleich 

Die DNA-Datenbanken, die Analysen anbieten, um Herkunft zu bestimmen, nutzen dabei 50 Populationen weltweit als Vergleichswerte. Die Marker im Erbgut dieser Vergleichsgruppen werden mit den identifizierten Markern der zu analysierenden Person verglichen. Durch diesen Abgleich wird dann auf deren ethnische Herkunft geschlossen, üblicherweise in Prozentangaben - etwa: Die Testperson ist zu 17 Prozent europäisch, zu sechs Prozent südostasiatisch und so weiter.

​Kein Zusammenhang zwischen Genen und Musikgeschmack

Tatsächlich gibt es Studien, die ganz eindeutig feststellen, dass es keinen Zusammenhang zwischen dem Genom und der eigenen Musikvorliebe gibt. Dennoch sind viele Menschen neugierig auf diese neue Form der Musikauswahl. 

Vor allem in den USA ist die Nachfrage groß. Und Datenschützer sorgen sich darum, welche Konsequenzen daraus entstehen, wenn diese extrem persönlichen Daten in die Öffentlichkeit gelangen sollten. Was damit passieren kann zeigt ein Fall, der eigentlich einen guten Ausgang hatte:

Serienmörder per Genanalyse-Portal  überführt

Beispielsweise speichern der Genanalyse-Anbieter Ancestry.com und ähnliche Online-Plattformen für Ahnenforschung solche Daten. Bei polizeilichen Ermittlungen können diese Daten auch helfen, einem Täter auf die Spur zu kommen. Erst kürzlich wurde so der sogenannte Golden State Killer, ein Serienkiller aus den USA, von US-Behörden überführt. Die Straftaten hatte er vor 30 Jahre begangen.

"Man muss sich darüber klar sein, dass das Zeugnisverweigerungsrecht für die DNA, die dann einmal draußen ist, nicht gilt. Wenn die Daten einmal draußen sind, kriegt man die nicht mehr eingefangen."
Genetiker Fabian Staubach über Genom-Analysen und dazu passende Spotify-Playlists

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