Games unterhalten. Klar. Aber sie können noch mehr: wichtige Themen vermitteln. Mit gutem Plot und Design regen sie zum Nachdenken an und machen gleichzeitig Spaß. Deutschlandfunk-Nova-Gamesexpertin Jana Reinhardt stellt zwei solcher Spiele vor: "Fantastic Fetus" zum Thema Abtreibung und "The Game: The Game" zu sogenannten Pick-up-Artists.

Schon der Titel des Games kommt etwas skurril daher: "Fantastic Fetus", also "Fantastischer Fötus". Und beim Spielen wird es dann noch skurriler. Dabei ist das Thema sehr ernst: Das Spiel dreht sich um die Angst, die schwangere Frauen haben, wenn sich ihr Kind nicht normal entwickelt. Indirekt thematisiert die polnische Entwicklerin Aleksandra Jarosz damit auch die strikten Abtreibungsgesetze in Polen, gegen die in den vergangenen Jahren dort viel protestiert wurde, erklärt unsere Gamesexpertin Jana.

Computer-Spiel zum Thema Abtreibung: "Fantastic Fetus"

Die Aufgabe in dem Spiel: sich um eine schwangere Frau kümmern. Das funktioniert ein bisschen nach dem Tamagotchi-Prinzip, sagt Jana. Wir schauen, dass es der Schwangeren gut geht, dass sie Medikamente nimmt, wenn sie krank ist, dass sie gesund isst, sich pflegt und so weiter. Wenn sie dann schlafen geht, stellt sie sich im Traum ihr Baby vor. Und dann hat der Spieler die Möglichkeit, das Baby zu individualisieren – allerdings sehr befremdlich: etwa mit Teufelshörnern oder Stielaugen.

Sreenshot aus dem Game "Fantastic Fetus"
Screenshot "Fantastic Fetus"

Das Spielprinzip ist im Kontrast zum eher niedlichen Design drastisch, so Jana: Wenn es der Spielerin oder dem Spieler nicht gelingt, die Angst der werdenden Mutter in Hoffnung zu verwandeln, versucht diese abzutreiben und kommt dabei um. Die Drastik ist volle Absicht der Designerin: Weil das Thema so hart ist, erzählt sie Jana, wollte sie die Spieler nicht ermüden und außerdem einen maximalen Kontrast für das Ende bieten. In dem Spiel ginge es nicht um Aufklärung, sondern darum, das Thema präsenter zu machen.

"Fantastic Fetus ist das erste Spiel über Abtreibungen, was bei Game-Festivals läuft und viele Spieler erstmal für das Thema abholt. Und das ist, finde ich, gerade bei erhitzten Debatten ziemlich viel wert."
Deutschlandfunk-Nova-Gamesexpertin Jana Reinhardt über "Fantastic Fetus"

Jana ist ein wenig zwiegespalten: Der tatsächliche Druck auf die Frauen in Polen vermittele sich ihr so nicht. Aber gerade der ambivalente Umgang mit dem Thema rege Diskussionen an.

Profi-Anmachen als Dating-Simulation: "The Game: The Game"

In dem zweiten Spiel, das Jana vorstellt, finden wir uns in einer Bar voller Pick-up-Artists wieder. Lange war die Dating-Simulation “The Game: The Game” nur in Kunstausstellungen spielbar, jetzt ist sie erstmals online downloadbar.

Ein Pick-Up-Artist bei der Anmache (Screenshot aus dem Spiel "The Game: The Game" von Angela Washko)
© The Game: The Game / Angela Washko
Screenshot aus "The Game: The Game" von Angela Washko

In dem Spiel sind wir in einer Bar und suchen eine Freundin. Da tummeln sich dann eine Menge Pick-up-Artists. Die Autorin Angela Washko benutzt dabei übrigens die richtigen Namen und Bilder echter Vertreter dieser Zunft, sagt Jana. Angela Washko will damit den Spielerinnen und Spielern klar machen, dass es solche Pick-up-Artists tatsächlich gibt.

"I really wanted to make an experience that kind of accurately displays these practices from a tactical dimension, but also makes them accessible in a way that somebody playing it has an embodied experience of the practices."
Angela Washko, Entwicklerin von "The Game: The Game"

Die Idee für das Spiel basiert nämlich auf einem Interview der Entwicklerin mit dem bekannten Pick-up-Artist Daryush Valizadeh aka Roosh V., der auch für die Legalisierung von Vergewaltigung ist. Das Interview bekam recht viel Resonanz – unter anderem von anderen Verführungscoaches, die sagten, nicht alle Artists seien so frauenverachtend, und das müsse man auch zeigen. Angela Washko recherchierte dazu und machte dann eben ein Spiel daraus, um einen niedrigschwelligen Zugang zu dem Thema zu ermöglichen.

"Ich finde das Spiel clever und zudem auch immer interessant geschrieben."
Deutschlandfunk-Nova-Gamesexpertin Jana Reinhardt über "The Game: The Game"

Jana findet das Spiel sehr gelungen. Manchmal, meint sie, kann man gar nicht glauben, dass Typen das wirklich so machen – aber es entspräche der Realität. Die Simulation mache es möglich, diese Methoden der Pick-up-Artists kennenzulernen, die letztlich immer darauf abzielten, Frauen psychologisch zu manipulieren, um ein Machtgefälle aufzubauen. Und wenn man im Spiel diese Verführmaschen mitmacht, dann bekomme man so einen guten Einblick.