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Sind wir verletzt oder in Lebensgefahr, rufen wir den Krankenwagen. Die Matabele-Ameise macht das auch. Nur eben nicht per Telefon, sondern mit einem chemischen Duftstoff. Den riechen ihre Artgenossen und bringen sie ins Nest zurück, wo sie die verletzte Ameise versorgen.

Für die Matabele-Ameise kann die Futtersuche oft lebensgefährlich werden. Denn: Die Ameisen-Art, die südlich der Sahara auf dem afrikanischen Kontinent lebt, ernährt sich von Termiten. Dafür dringen die Ameisen in Gruppen mit einer Größe von 200 bis 500 Tieren in den Bau der Termiten ein und töten diese, um die Termiten als Nahrungsmittel in ihr Ameisennest zu bringen.

Bei den Raubzügen verletzen sich immer wieder einige der Ameisen. Das passiert, weil sich die Termiten mit ihrem kräftigen Mundwerkzeug gegen den Ameisenangriff wehren, indem sie ihrem Fressfeind ein oder mehrere Beine abbeißen.

Hilferuf per Duftstoff

Nach dem Raubzug ruft die verletzte Matabele-Ameise ihre Artgenossinnen mit einem sogenannten Alarmpheromon, einem chemischen Duftstoff, zu Hilfe. Den Duftstoff nehmen die anderen über die Geruchssensoren in ihren Fühlern wahr und machen sich auf den Weg zu der Verletzten.

Dort untersuchen die Helfer-Ameisen die Wunde und tragen die angegriffene Ameise mithilfe ihres Mundwerkzeugs in das heimische Nest. So kommt die Matabele-Ameise auch zu ihrem Spitznamen Blauchlichtameise. Ohne sie würden es rund ein Drittel der verletzten Ameisen nicht wieder zurück in ihr Nest schaffen, wie Forschende der Julius-Maximilians-Universität Würzburg in einem vergangenen Experiment herausgefunden haben.

Eine Blaulichtameise transportiert eine verletzte Matabele-Ameise zum Nest.
© picture alliance | Erik T. Frank | Julius-Maximilians-Universität | dpa | Erik T. Frank
Eine Blaulichtameise transportiert eine verletzte Matabele-Ameise zum Nest. Die Verletzte zieht dafür ihre Beine ein..

Prioritäten bei der Erstversorgung

Ist eine Ameise allerdings tödlich verletzt, wehrt sich die verwundete Ameise gegen den Krankentransport und zwingt ihre Artgenossen dazu, sie zurückzulassen. "Aus menschlicher Sicht scheint das ziemlich brutal. Evolutionsbiologisch macht das aber durchaus Sinn. Schließlich verschwenden Ameisen auf diese Weise keine wertvollen Ressourcen, nur weil sie sich um eine Artgenossin kümmern, die sowieso stirbt", erklärt Biologe Mario Ludwig.

Einzigartige Krankenpflege

Können sie die Wunde hingegen versorgen, geht die Krankenpflege in ihrem Nest weiter. Nach einer gründlichen Untersuchung über die Tastsinnesorgane der Ameisen, die auch in ihren Fühlern sind, beginnen die Sanitäter-Ameisen zum Beispiel damit, die Verletzung zu säubern. Das machen sie, indem sie die Wunde innerhalb der ersten Stunde nach der Verletzung ablecken. Die Forschenden vermuten, dass im Speichel der Ameisen antibiotische Substanzen sind, die gefährliche Keime abtöten können.

"Das ist das erste Mal, dass man im Tierreich ein regelrecht systematisches Pflegeverhalten für verletzte Artgenossen beobachten hat."
Mario Ludwig, Biologe

Und die intensive Krankenpflege zeigt Erfolg: Die verletzten Ameisen erholen sich nicht nur sehr gut, sie lernen auch mit weniger Beinen zu laufen, wenn sie die im Nahrungskampf verloren haben. Sind sie wieder vollständig gesund, nehmen über 90 Prozent von ihnen wieder an der Futtersuche teil, so die Würzburger Forschenden.