Seit zwei Monaten ist Hendrik als erster Nachtbürgermeister Deutschlands im Amt - und zwar in Mannheim. Er sieht sich selbst als neutralen Beobachter. Das öffnet ihm Türen, sagt er.

Offiziell ist es ein honoriertes Ehrenamt, das Hendrik Meier, 27, seit zwei Monaten innehat: Nachtbürgermeister. Der erste seiner Art in Deutschland.

Dass ausgerechnet Mannheim dieses Amt einführt, hat viele überrascht. Bisher gibt es Nachtbürgermeister in Städten wie Amsterdam, London oder Paris – eben da, wo das Nachtleben ein bedeutender Wirtschaftsfaktor für die Städte und entsprechend groß ist.

Sich kennenlernen und zuhören

"Reine PR-Nummer" lautete deshalb der leise Vorwurf. Hendrik selbst sieht das gelassen. Ja, am Anfang musste er viel mit der Presse sprechen, und sein Amt hat der Stadt große Aufmerksamkeit in den Medien beschert. Mittlerweile nutzt er seine Zeit aber, um mit den Akteuren des Nachtlebens ins Gespräch zu kommen und sich zu vernetzen.

"Es hat sich gezeigt, dass es erstmal ein bisschen Überzeugungsarbeit benötigt, um in der Stadt anzukommen."
Hendrik Meier, erster Nachtbürgermeister Deutschlands

Hendrik sagt, er sei ein neutraler Beobachter. Er möchte Initiativen nach vorne bringen, die den Menschen nützen und die er selbst gut findet. Ob die Idee nun von einer Partei oder Agentur kommt, ist ihm eigentlich egal. "Wenn etwas gemacht wird, ist es gut", sagt er ganz pragmatisch.

Vermitteln, wenn es mal kracht

Natürlich gehört es auch zu Hendriks Aufgaben, zu vermitteln – zum Beispiel zwischen Clubs und Anwohnern, denen es zu laut ist. Auch da hilft es, wie ein guter Mediator aufzutreten, meint Hendrik. Und erstmal zuzuhören.

"Es ist von Vorteil, wenn man aus gesellschaftlichen Nutzen auf die Leute zugeht und nicht als Politiker."
Hendrik Meier, Nachtbürgermeister in Mannheim

Dass er keiner Partei angehört, sieht er als Vorteil. Die Leute reagieren offener, meint er. Denn am Ende des Tages sei es doch Politik: Hendrik kann nichts alleine entscheiden. Er muss Leute überzeugen, wenn er etwas durchsetzen will – Leute mit Entscheidungsgewalt in der Stadt beispielsweise.

"Das Amt Nachtbürgermeister gibt mir die Möglichkeit, dass ich versuchen kann, Dinge durchzusetzen oder anzugehen, die man sonst als Einzelperson nur schwer angehen kann."
Hendrik Meier, Nachtbürgermeister in Mannheim

Kostenloses Trinkwasser, öffentliche Urinale

Bisher hat sich Hendrik einige Projekte vorgenommen, die er voranbringen will. Etwa eine Trinkwasser-Initiative. "Ich persönlich fände es gut, wenn man Leitungswasser einfach auf den Tisch stellt", sagt er. Eine Refill-Aktion in Mannheim gab es schon, die hat er jetzt noch bekannter gemacht und mehr Clubs machen mit.

Oder eine andere Sache: An den Wochenenden Pfandkisten aufstellen, damit in den Ausgehvierteln keine leeren Glasflaschen auf dem Boden herumstehen, an denen man sich verletzen könnte. Solche Initiativen gibt es schon in anderen Städten, nun auch im Mannheim.

"Es ist immer schwierig, sich was vorzustellen, von dem niemand eine große Ahnung hat."
Hendrik Meier, Nachtbürgermeister in Mannheim

Nach zwei Monaten ist Hendrik also schon ziemlich aktiv. Sein Hauptgeschäft ist die Überzeugungsarbeit. Denn viele gute Ideen gibt es schon, vermutlich in den meisten Städten. Man braucht nur jemanden, der sie bekannt macht und mit allen Beteiligten spricht.

Bis zum neuen Jahr will Hendrik weiter filtern, was es noch zu tun gibt für ihn. Inspiration hat er sich dafür auch bei Shamiro van der Geld, dem Nachtbürgermeister in Amsterdam, geholt. "Da geht noch bisschen was", sagt Hendrik – öffentliche Urinale oder vergünstige Tickets für den Nahverkehr in der Nacht sind zwei Dinge, über die er aktuell nachdenkt.

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