Nachtbürgermeister

Die Nacht zum Thema machen

Mannheim hat eine wichtige Entscheidung getroffen: Hendrik Meier ist der erste Nachtbürgermeister der Stadt - und der erste in Deutschland. Der Student ist künftig für das Nachtleben zuständig und soll vor allem vermitteln. Zum Beispiel zwischen Clubs und Anwohnern, die sich über Lärm beschweren oder weil Besoffene in Hausflure pinkeln. 

40 Bewerber hatte es für den Job gegeben. Aus zehn Finalisten wurde am Donnerstagabend im Mannheimer "Club Chaplin" Hendrik Meier ausgewählt. Das Amt ist auf 50 Stunden im Monat ausgelegt, also gut 12 Stunden pro Woche, der Lohn: rund 1200 Euro brutto.

Nachtbürgermeister gibt es inzwischen weltweit in vielen Städten. Vor allem in Städten, in denen das Nachtleben ein nicht zu unterschätzender Wirtschaftsfaktor ist, in London, New York oder Amsterdam zum Beispiel. Das Ganze ist einerseits eine gute PR-Nummer für die Städte, weil sie durch so ein Amt auch kommunizieren: Wir nehmen das Club- und Partyleben ernst.

"Das Ganze ist natürlich immer eine gute PR-Nummer für die Städte, aber es gibt auch konkrete Errungenschaften."
Rahel Klein, Deutschlandfunk Nova

Einige der Nachtbürgermeister können inzwischen auf echte Erfolge verweisen. Zum Beispiel hat Mirik Milan in Amsterdam als Nachtbürgermeister dafür gesorgt, dass zehn Clubs 24-Stunden-Lizenzen bekommen. Diese Läden müssen sich an keine Sperrstunde halten - können also rund um die Uhr öffnen. 

Betreiber konnten sich für eine solche Lizenz bewerben. Ausgewählt wurden dann Clubs, die etwas außerhalb des Stadtzentrums liegen und die obendrein einen Mehrwert für die Gesellschaft liefern. In den ausgewählten Nachtclubs finden also nicht nur Partys statt, sondern auch Flohmärkte, Kunstausstellungen oder Yogakurse.

Kostenloses Wasser für alle Festivalbesucher

Mirik Milan wurde 2012 zum Nachtbürgermeister gewählt und hat dieses Amt sechs Jahre lang - ehrenamtlich - übernommen. Er sorgte beispielsweise auch dafür, dass es bei einem Festival kostenloses Trinkwasser für alle Besucher gab.

Einmal wurde auf Facebook eine riesige Techno-Party angekündigt, mit kleineren Events in der ganzen Stadt. 50.0000 Menschen hatten den Ich-nehme-teil-Button geklickt. Die Stadtverantwortlichen von Amsterdam baten dann Mirik Milan um Vermittlung - aus Angst, die Party könnte völlig eskalieren. Der Nachtbürgermeister hat dann zusammen mit den Initiatoren einen anderen Termin und eine Location etwas außerhalb des Zentrums gefunden. Damit waren alle Seiten zufrieden.

"In London gibt es eine Nacht-Zarin, das ist seit 2016 Amy Lamé."
Rahel Klein, Deutschlandfunk Nova

Auch in London hat Amy Lamé - seit 2016 die "Nacht-Zarin" der Stadt - etwas für das Nachtleben tun: Sie setzte sich dafür ein, dass der Club "Fabric", ein international bekannter Techno-Club, wiedereröffnen konnte. 

2016 war der Club geschlossen worden, nachdem zwei Teenager gestorben waren, weil sie dort Ecstasy genommen hatten. Amy Lamé hat dann mit den Clubbesitzern, dem Stadtrat und der Polizei neue Bedingungen ausgehandelt. "Fabric" konnte seine Türen wieder öffnen – seitdem dürfen am Wochenende allerdings keine Gäste unter 19 Jahren mehr eingelassen werden.

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