Um die Nitratbelastung einzudämmen, sollen Bauern ab 2020 30 Prozent weniger Gülle auf ihren Feldern verteilen. Das sieht die neue EU-Düngeverordnung vor. Politiker und Umweltschützer im Sauerland befürchten, dass Bauern aus stark belasteten Regionen wie dem Münsterland ausweichen und ihre Gülle ins Sauerland importieren könnten.

Gülle-Tourismus bedeutet: Bauern bringen ihre überschüssige Gülle in andere Regionen, weil sie selbst nicht mehr wissen, wohin damit. Ihre Tiere produzieren mehr Mist, als die Bauern auf ihren eigenen Feldern verteilen dürfen. Aus diesem Grund gibt es sogenannte Gülle-Börsen.

Gülle-Importe ins Sauerland?

Im Sauerland haben Umweltschützer jetzt die Sorge, dass es mit den Gülle-Importen bald erst so richtig losgehen könnte. In gut einem Jahr tritt nämlich die neue EU-Düngeverordnung in Kraft. Die Umweltschützer sehen das saubere Trinkwasser in Gefahr.

Die EU habe eine gute Verordnung geschaffen, glaubt Uli Paetzel, der Präsident der Deutschen Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall (DWA). In Deutschland sei sie nur in den vergangenen Jahren nicht umgesetzt worden.

"In Deutschland haben wir zu wenig getan, um die Landwirtschaft ökologischer und nachhaltiger zu machen."
Uli Paetzel, Präsident der Deutschen Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall (DWA)

27 Prozent der über 1200 deutschen Grundwasserkörper seien in einem schlechten chemischen Zustand, so Paetzel. Dort werde der Schwellenwert von 50 Milligramm Nitrat überschritten. Diese Werte seien nicht genug zur Kenntnis genommen worden. 

Besonders betroffen seien die Gegenden, in denen die Landwirtschaft einen großen Stellenwert einnimmt: weite Teilen von Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Thüringen und Sachsen-Anhalt zum Beispiel, aber auch Süddeutschland und Nordrhein-Westfalen.

"Umkehr des Systems"

Der Gülle-Tourismus sei ein großes Problem, sagt Paetzel. Mit Klein-Klein-Geschichten sei keine Lösung zu erzielen. Er fordert eine grundsätzliche Umkehr in der Landwirtschaft und eine Unterstützung der Landwirte, das auch hinzubekommen.

"Solange sich Massentierhaltung ökonomisch lohnt, fällt auch viel Gülle an. Das wiederum schadet den Böden. Wir brauchen eine Umkehr des gesamten Systems."
Uli Paetzel, Präsident der Deutschen Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall (DWA)

Konkret bedeutet das ein Umdenken in den Mastbetrieben, in denen Tausende Tiere Unmengen von Gülle produzieren. Dass in Deutschland für den Weltmarkt produziert wird, stellt Paetzel infrage.

"In Deutschland wird nicht für den heimischen, sondern für den Weltmarkt produziert. Man muss sich fragen, ob das der Sinn der Landwirtschaft in Deutschland sein kann."
Uli Paetzel, Präsident der Deutschen Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall (DWA)

Paetzel hofft, dass die Steuerungsmechanismen der EU langfristig Wirkung zeigen: Dass die Landwirte also über Subventionen geeignete Steueranreize bekommen – in Richtung einer nachhaltigeren Landwirtschaft, bei der weniger Gülle anfällt.

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