Zu streng seien die Regeln für gentechnisch veränderte Lebensmittel, die seit 20 Jahren in der EU gelten. Das sagt eine Studie, die die EU-Kommission in Auftrag gegeben hat.

Eine Rapssorte, die durch Eingriffe in das Erbgut resistent gegen Herbizide ist, ein genomisch veränderter Salat, der mehr Vitamin C enthält und Weizen, dessen Gluten so verändert wurde, dass auch Menschen mit Glutenunverträglichkeit in problemlos essen können. Bisher ist das in der Europäischen Union nicht möglich, weil die EU relativ strikte Gesetze hat, die gentechnische Veränderungen an Lebensmitteln regulieren.

Eine Studie, die die EU-Kommission in Auftrag gegeben hat, kommt zu dem Schluss, dass die aktuell geltenden Gesetze nicht mehr angemessen und zeitgemäß sind und entsprechend dem wissenschaftlichen und technologischen Fortschritt angepasst werden sollten. Sowohl die EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides als auch Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner befürworten die Ergebnisse der Studie.

Befürworter: Landwirtschaft nachhaltiger gestalten

Die EU-Gesundheitskommissarin geht davon aus, dass Verfahren, die das Erbgut von Pflanzen verändern, die Landwirtschaft nachhaltiger machen können. Pflanzen könnten dadurch nahrhafter und gesünder gemacht werden. Auch der Einsatz von Pestiziden könnte möglicherweise verringert werden.

Die Bundeslandwirtschaftsministerin findet, dass man die Möglichkeiten solcher Techniken nutzen sollte, um nachhaltiger zu wirtschaften und mehr Lebensmittel für alle zu produzieren.

Auch Saatgutfirmen und Forschende finden sich unter den Befürwortern. Die Forschenden gehen davon aus, dass Veränderungen eines Pflanzengenoms auch im Verlauf der Evolution auftreten können. Die Veränderungen, die man mit Gentechnik herbeiführen kann, sei nicht von konventionellen Züchtungen unterscheidbar.

Kritik: Langzeitfolgen von Gentechnik nicht abschätzbar

Es gibt aber auch viele Gegner dieser empfohlenen Lockerungen bei gentechnisch Methoden, die das Erbgut von Nutzpflanzen verändern. Eine der Kritikerin ist die Bundesumweltministerin Svenja Schulze. Ihr Argument ist, dass man die Nebenwirkungen und Langzeitfolgen nicht abschätzen könne.

Gegen die neuartigen genomischen Verfahren sind auch 94 Verbände aus der Land- und Lebensmittelwirtschaft, Umwelt- und Tierschutz und Kirchen. Sie alle haben am 28. April ein gemeinsames Papier vorgelegt, in dem sie fordern, Gentechnik auch in Zukunft strikt zu regulieren.

Agrarministerinnen diskutieren Studie im Mai

Im Mai 2021 sollen die Ergebnisse der Studie mit den Agrarministern und -ministerinnen der EU-Mitgliedsstaaten und Abgeordneten besprochen werden. Außerdem soll eine Folgenabschätzung durchgeführt und die Öffentlichkeit befragt werden.

Angedacht ist, dass es weiterhin einen hohen Schutz für die Gesundheit von Mensch und Tier und für die Umwelt gibt. Gleichzeitig sollen innovative Möglichkeiten besser genutzt werden – steht auf der Webseite der EU-Kommission.