Maßlos überfüllte Lager für Geflüchtete in Griechenland - und eine Lösung ist nicht Sicht. Die griechische Regierung macht jetzt dicht – die Lager auf den Inseln Lesbos, Chiso und Samos sollen geschlossen werden. Aber was wird aus den Menschen?

Franck Düvell vom Deutschen Zentrum für Integrations- und Migrationsforschung war in Griechenland. Die Zustände in den Lagern seien das Fürchterlichste, was sich die Europäische Union (EU) in den vergangenen Jahren geleistet habe. Begründet wurden die Lager damals damit, dass Europa bedroht sei, wenn weiterhin eine große Anzahl an Flüchtlingen Richtung Europa kommen sollte.

"Die Flüchtlingslager an den Außengrenzen Europas sind mit das Fürchterlichste, was sich die EU in den letzten Jahren geleistet hat."
Franck Düvell, Deutschen Zentrum für Integrations- und Migrationsforschung

Bisher sind alle Neuankömmlinge in den Lagern an den Außengrenzen aufgenommen worden. Diese sogenannten Hotspots waren für ein paar hundert Menschen vorgesehen. Inzwischen seien mehrere Zehntausende in den Lagern untergebracht. "Die Bedingungen sind grässlich. Man muss das mit eigenen Augen gesehen haben", berichtet Franck Düvell.

"Wenn man das gesehen hat, kann man ein paar Nächte nicht schlafen."
Franck Düvell, Deutschen Zentrum für Integrations- und Migrationsforschung

Es sei schwer mitanzusehen, wie in den überfüllten Lagern Kinder, Frauen und ganze Familien unter schrecklichen Bedingen leben. Gerade sei wieder ein Kind an Dehydrierung aufgrund von Durchfall gestorben. Es fehlt am Notwendigsten wie Trinkwasser. Dazu: katastrophale hygienische Bedingungen, keine Schlafplätze, schlechte Ernährungsversorgung. "Es ist wirklich dramatisch!", sagt Franck Düvell.

"Die Menschen schlafen im Schlamm, bekommen verfaultes Essen, können sich nicht waschen, haben nicht genug zu trinken."
Franck Düvell, Deutschen Zentrum für Integrations- und Migrationsforschung

Die ankommenden Menschen werden in den peripheren Staaten – hauptsächlich in Italien und Griechenland – festgehalten. Sie werden nicht, so wie es sein sollte, umverteilt. Die europäischen Gesetze schreiben eine Solidarität unter den Ländern vor, sodass die Lasten durch die Versorgung und die Integration der Geflüchteten auf alle Staaten verteilt werden. Für jeden Staat würde das nicht einmal ein Bevölkerungszuwachs von 0,1 Prozent bedeuten, erklärt Franck Düvell.

"In diesen Lagern stirbt das Ideal Europas."
Franck Düvell, Deutschen Zentrum für Integrations- und Migrationsforschung

Die Solidarität unter den EU-Ländern bleibt aus und die Menschen hängen in den Lagern fest. Oder die Menschen versuchen, illegal innerhalb Europas weiterzukommen. Zur Folge hat das beispielsweise illegale Lager wie Vucjak in Bosnien und Herzegowina – auf einer ehemaligen Müllkippe – oder dass die Menschen in den Wäldern Kroatiens erfrieren oder von Grenzschützern angeschossen werden.

Umverteilung Geflüchteter kann human und gerecht sein

Eine gerechte Umverteilung in der EU sollte nach einem Schlüssel vorgenommen werden, der sich an der Aufnahmefähigkeit der Mitgliedsstaaten ausrichtet, sagt Franck Düvell. Diese Umverteilung könnte human und für die Mitgliedsstaaten gerecht gestaltet werden.

Franck Düvell zeigt sich auch deshalb über die Situation so erschüttert, weil ihn das an die Zeit der 1930er Jahre in Europa erinnere. Damals seien in Europa Menschen jüdischen Glaubens verfolgt worden. Der Rest der Staatengemeinschaft habe sich geweigert, die Menschen aufzunehmen. Deshalb sei nach dem Zweiten Weltkrieg die Weltmigrationsorganisation entstanden und internationale Gesetze geschaffen worden, um solche dramatischen Situationen Geflüchteter zu vermeiden.

Geflüchtete - Menschen, die zum Gemeinwohl beitragen können

Franck Düvell kritisiert, das oft vergessen werde, dass Geflüchtete in erster Linie Menschen seien, mit vielfältigen Fähigkeiten, die arbeiten und zum Gemeinwesen beitragen können. Sie könnten produktive Mitglieder unserer Gemeinschaften werden, wenn die Staaten dafür sorgen würden. Durch die aktuelle EU-Flüchtlingspolitik verbaue man sich diesen Weg, sagt Franck Düvell.