Eine drastische Aktion gegen Manspreading in der U-Bahn im russischen Sankt Petersburg sorgte im Netz für sechs Millionen Klicks. Aber: Das Video ist falsch. Es wurde von russischen Trollen produziert, sagt die Internetplattform "EU versus Disinfo". Unser Netz-Reporter Michael Gessat erklärt, warum Trolle solche Videos faken.

Ende September tauchte im Netz ein Video auf, in dem eine junge Frau durch die U-Bahn im russischen Sankt Petersburg läuft. In der Hand hat sie eine Plastikflasche mit einem Wasser-Bleichlauge-Gemisch, das sie mehreren Männern in den Schritt gießt. 

Ihre Aktion richtet sich gegen sogenanntes Manspreading. Das heißt, wenn Männer mit weit gespreizten Beinen dasitzen und anderthalb oder zwei Sitze belegen.

Das Video kam aus einer russischen Trollfabrik

Der Clip bekam sechs Millionen Klicks. Medien weltweit berichteten über die Aktion und verurteilten zumeist das Vorgehen der Aktivistin. 

Zugleich wuchs bei vielen Usern im Netz das Misstrauen. Irgendetwas schien faul an dem Video. Zum einen reagieren die begossenen Männer im Clip überwiegend verhalten und wenig spontan. Zum anderen gab es Zweifel an der Identität beziehungsweise an der Motivation der Akteurin im Video, die sich selbst als "Sozialaktivistin" bezeichnete. Schließlich stöberte ein russisches Online-Magazin einen der vermeintlichen Manspreader aus dem Videoclip auf: Der Mann war ein Schauspieler und er gab zu, für den Dreh gecastet und bezahlt worden zu sein.

"EU versus Disinfo" kämpft gegen Fake im Netz

Das Video soll ein kompletter Fake sein, produziert von einer russischen Trollfabrik im Auftrag der Regierung. Das sagt "EU versus Disinfo", eine offizielle Seite der Europäischen Union (EU) und zwar der "European External Action Service East Stratcom Task Force". Mit der Webseite will die EU Fakten checken, Fakes aufdecken und aufklären. Die Task Force wurde 2015 gegründet und soll helfen, den regelmäßigen und systematischen Desinformationskampagnen der berühmten russischen Trollfabriken etwas entgegenzusetzen.

"Das Video ist eine Provokation, um Gegenreaktionen hervorzurufen in der Linie der russischen Politik, Themen wie Frauenrechte oder Genderfragen als dekadenten westlichen Irrweg schlechtzureden."
Michael Gessat, Deutschlandfunk Nova

Hinter dem Video soll eine kleine Produktionsfirma stecken, die bereits öfters Clips für Troll-Kampagnen gemacht hat. Angeblich weiß das Unternehmen aber nichts darüber, wie ihre Videos verwendet werden und weist Fake-Vorwürfe zurück.

Klar ist, dass solch ein Clip Leute aufwiegeln und vorhandene Ressentiments verstärken soll. Die vermeintliche Aktivistin im Video übergießt jeden Mann, der die Beine nicht eng zusammenpresst hat. Entsprechend wütend fielen die Kommentare im Netz aus: Es wurden Feministinnen und Frauen generell übelst beschimpft und teils zur Gegengewalt aufgerufen. Eine perfide Fake-Aktion, um ganz allgemein Stimmung gegen Frauenrechte und Genderfragen zu machen.

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