Die Europawahl ist nicht mehr weit. Manche brauchen noch eine Entscheidungshilfe für ihre Stimmabgabe. Der Wahl-O-Mat könnte eine sein.

Im Wahl-O-Mat werden 38 Fragen aus ganz unterschiedlichen Themenbereichen gestellt wie Umwelt-, Migrations- oder Verteidigungspolitik. Bei der Auswahl und Zusammenstellung der Fragen hat Pamela Brandt von der Bundeszentrale für politische Bildung mitgewirkt. Sie gehört zum Wahl-O-Mat-Entwicklerteam.

Kontroverse EU-Themen

Das Wahl-O-Mat-Team sucht aus den vielen verschiedenen politischen Themen die wichtigsten aus und legt fest, welche bei dieser Europawahl besonders wichtig sind, welche in den Wahlprogrammen der Parteien eine besondere Rolle spielen oder in den Medien. In einem zweiten Schritt werden die Themen dann nach unterschiedlichen Positionen abgeklopft. Die Frage lautet: Welche Themen und Positionen sind kontrovers?

"Das ist das wichtige am Wahl-O-Mat: Es sind nicht die Themen drin, bei denen sich alle einig sind, sondern die kontroversen Themen. Wie soll die Europapolitik der Zukunft aussehen?"
Pamela Brandt von der Bundeszentrale für politische Bildung

Auf die Frage, wie die Europapolitik der Zukunft aussehen soll, hat das Team die kontroversen Positionen der Parteien herausgearbeitet. Am Ende hat das Team 81 Thesen formuliert, die es noch einmal den Parteien geschickt hat.

Parteien stimmen selbst im Wahl-O-Mat ab

Denn manche Themen tauchen in den Wahlprogrammen nicht auf. "Wir fragen die Parteien, ob sie bestimmten Thesen zustimmen, eher neutral sind oder sie ablehnen", erklärt Pamela Brandt. Diese Abstimmung dürfen die Parteien auch begründen. "Das ist gar nicht so einfach für die Parteien."

"Eine schlichte Frage, die so kurz ist im Wahl-O-Mat, mit einem schlichten "stimme zu", "stimme nicht zu" zu beantworten, ist für die Parteien nicht so einfach."
Pamela Brandt von der Bundeszentrale für politische Bildung

Jeder, der den Wahl-O-Mat durchspielt, kann später genau diese Entscheidungen der Parteien und ihre Begründungen sehen.

"2 Prozent sagen: Oh, mein Gott! Diese Partei würde ich niemals wählen!"
Pamela Brandt von der Bundeszentrale für politische Bildung

Tatsächlich kann es passieren, dass der Wahl-O-Mat eine Partei empfiehlt, der wir eigentlich nicht zustimmen, sagt Pamela Brandt. Dann wird es spannend.

Das kommt zwar nur bei einem geringen Prozentsatz vor, sagt Pamela Brandt. Aber das würde die User noch mal dazu bringen, nachzusehen, wo die bevorzugte Partei vielleicht doch anders aufgestellt sei.

Außerdem werden nur 38 Thesen aufgestellt. Daneben gibt es noch viel mehr Themen, die für den Einzelnen oder bestimmte Parteien wichtig seien, die aber nicht im Wahl-O-Mat vorkommen. "Es ist ja nur ein Ausschnitt."

Zusätzlicher Fragebogen

Die Wahl-O-Mat-Macher sammeln keine Daten von den Usern. Sie können nur sehen, wie oft der Wahl-O-Mat benutzt wurde. Am Ende können die User aber auf einem Extra-Portal einen Fragebogen zum Nutzen des Wahl-O-Mats ausfüllen.

Ergebnis der Befragung ist, dass die meisten den Wahl-O-Mat nutzen, weil sie eine Idee haben, wenn sie wählen wollen. Aus dieser Gruppe sagen 89 Prozent: Das Ergebnis des Wahl-O-Mats stimmt mit meiner Präferenz für eine Partei überein: "An erster, zweiter, dritter Position ist das, was ich sowieso wählen wollte."

Das Wahl-O-Mat-Team

Für den Wahl-O-Mat hat eine lange Vorarbeit stattgefunden. Zunächst wurden die Parteien angeschrieben. Sie sollten dem Team ihre Wahlprogramme schicken. Drei Tage lang hat dann eine 40-köpfige Redaktion diese Programm durchgearbeitet. Zum Team haben Politikexpertinnen, Wissenschaftler und 24 junge Menschen zwischen 18 und 28 Jahren gehört.