Der Name sagt es schon: Nachtsittiche sind nachtaktiv. Doof nur, dass sie nachts nicht gut sehen können. Das haben Forschende jetzt herausgefunden und überlegen, wie der vom Aussterben bedrohte Vogel gerettet werden kann.

Der Nachtsittich ist eine extrem seltene Papageienart – er lebt in Australien und Ornithologinnen und Ornithologen bekommen ihn nur sehr selten zu sehen. Das liegt zum einen daran, dass es nur noch geschätzte 50 bis 250 Exemplare von ihm gibt – zum anderen daran, dass er nachtaktiv ist. Forschende fragen sich nun aber noch einmal mehr, warum? Denn sie haben herausgefunden, dass der Nachtsittich nachts gar nicht gut sehen kann. Wahrscheinlich sieht er sogar noch schlechter, als tagaktive Papageien.

Bisher waren Forschende weltweit davon ausgegangen, dass der Nachtsittich nachts besonders gut sehen muss. Wäre ja auch logisch, da er ja Futter suchen und vor anderen Tieren fliehen muss. Dass er sich aber wahrscheinlich eher so fühlt, wie nachtblinde Autofahrer und Autofahrerinnen, hat sie überrascht.

CT-Scan eines Nachtsittich-Schädels bringt Aufschluss

Herausgefunden wurde das schlechte Sehvermögen der Nachtsittiche in einem ziemlich aufwendigen Verfahren mit Computertomografie. Grundlage war der einzige verfügbare intakte Schädel eines Nachtsittichs, der von einer Nachtsittich-Mumie steammt, die 1990 gefunden wurde.

Bisher waren Forschende weltweit davon ausgegangen, dass der Nachtsittich nachts besonders gut sehen muss. Wäre ja auch logisch, da er ja Futter suchen und vor anderen Tieren fliehen muss. Dass er sich aber wahrscheinlich eher so fühlt, wie nachtblinde Autofahrer und Autofahrerinnen, hat sie überrascht.   Herausgefunden wurde das in einem ziemlich aufwendigen Verfahren mit Computertomografie. Grundlage war der einzige verfügbare intakte Schädel eines Nachtsittichs – und der stammt von einer Nachtsittich-Mumie, die 1990 gefunden wurde.
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CT-Scan des Schädels eines australischen Nachtsittichs.

Vorausgesetzt, dieses Nachtsittich-Exemplar war kein totaler Ausreißer, sind sich die Forschenden der Flinders University ziemlich sicher, dass der Nachtsittich nachts schlecht sieht. Sie hatten die Größe des Sehzentrums im Gehirn untersucht, sowie die Größe der Augen und den Durchmesser der Augennerven; diese Daten hatten sie zudem mit denen von etlichen anderen Vogelarten verglichen, sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Anne Preger.

"Die Forschenden schließen aus ihren Untersuchungen, dass Nachtsittiche wahrscheinlich sogar schlechter sehen, als die meisten tagaktiven Papageienarten."
Anne Preger, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Die darwinistische Theorie im Hinterkopf, kann man sich natürlich schon fragen, warum es den Nachtsittich dann überhaupt noch gibt. Die Forschenden vermuten, dass der Vogel eine andere Superkraft hat, wie beispielsweise ein gutes Gehör oder Geruchssinn.

Wie lässt sich der Nachtsittich retten?

Unterdessen machen sie sich aber auch Gedanken darüber, wie die Lebensbedingungen des vom Aussterben bedrohten Nachtsittichs verbessert werden können. Da er in den australischen Outbacks vorkommt, schlagen sie in ihrem Fachartikel im Magazin Scientific Reports vor, dass die Farmer auf alle unnötigen Zäune verzichten.