Mark Scherz war schon als Kind von Amphibien fasziniert. Heute sucht er im Regenwald von Madagaskar nach neuen Arten - und ist vor ein paar Jahren auch fündig geworden.

Mark Scherz ist Evolutionsbiologe und Taxonom. Auf Madagaskar sucht er nach bisher unbeschriebenen Arten. 2017 hatte er einen großen Erfolg, als er eine neue Froschart namens Rhombophryne ellae entdeckt hat. Der Bericht über seinen Fund wurde im Fachjournal Zoosystematics and Evolution veröffentlicht.

Mark Scherz auf Forschungsreise nach Bealanana
© Duncan Parker
Mark Scherz mit einem Chamäleon in den Bergen der Bealanana District im Norden Madagaskars.

Madagaskar ist eine Insel im Indischen Ozean vor der Küste von Mosambik. Mit 14 Jahren ist Mark zusammen mit seinem Vater zum ersten Mal dorthin gereist. Madagaskar ist flächenmäßig größer als Deutschland und es gibt dort verschiedene Ökozonen: Berge und Regenwald. "Aber je weiter nach Westen mein geht, desto trockener wird es", sagt Mark. Im Süden sei die Landschaft eher eine Wüste mit Dornenbüschen. Der höchste Berge auf der Insel ist 3.000 Meter hoch und ist bewaldet. "Und da haben sich ganz viele sehr interessante und besondere Arten gebildet, weil diese Umgebung so komplett anders ist als alles drumherum", sagt der Biologe.

Viele Froscharten, die noch beschrieben werden müssen

Auf Madagaskar gibt es eine große Artenvielfalt. Zum Vergleich: In Deutschland leben etwa 15 bis 20 Amphibienarten. "Auf Madagaskar haben wir 360 beschriebene Froscharten, und es sind mindestens 200 Arten, die noch zu beschreiben sind", sagt Mark Scherz, "allein nur Frösche."

Die Forschungsreisen nach Madagaskar planen Mark und seine Kollegen immer sehr lange im Voraus. Wenn sie dann endlich vor Ort sind, geht es zunächst los mit dem Auto. Irgendwann werden die Straßen immer schlechter und zum Schluss gehen die Forscher dann zu Fuß durch zum Teil sehr unwegsames Gelände. Vor allem in der Regenzeit ist es dort nicht so einfach voranzukommen.

"Dann hört man auch Geschichten von Leuten, die versucht haben zu schwimmen und von Krokodilen aufgefressen wurden."
Mark Scherz, Evolutionsbiologe

Die Forscher müssen aufpassen, dass sie nicht zufällig Krokodilen begegnen. Sie marschieren - hauptsächlich nachts - durch die Wildnis. Viele Tiere sind nämlich nachtaktiv. "Ganz oft suchen wir auch gezielt nach Fröschen, die gerade rufen", sagt Mark Scherz.

"Und die Namens-Auswahl ist natürlich der lustigste Teil der Taxonomie."
Mark Scherz, Evolutionsbiologe

2017 kam eine Kollege von Mark Scherz eines Tages mit einer Plastiktüte an, die einen kleinen Frosch enthielt. Für Mark war sofort klar: Das ist ein Frosch der Gattung Diamantfrösche, für die er Experte ist. Und weil er eben Experte ist, war ihm auch gleich klar, dass das eine neue Art sein muss. Spätere genetische Analysen in Deutschland haben das dann auch bestätigt.

Mark durfte dann einen Namen für die Froschart wählen. Er hat sich für Rhombophryne ellae entschieden. Der Zusatz "ellae" bezieht sich auf seine Partnerin Ella, die gerade ihre eigene Doktorarbeit verteidigt hatte. Mark sagt: "Ich dachte mir, das ist ein schönes Geschenk. Und das ist dann auch was für die Ewigkeit."

Ella, die Freundin von Mark Scherz, im Regenwald.
© Mark Scherz
Ella, die Freundin von Mark Scherz, im Regenwald.

Wenn ihr mehr darüber wissen wollt, wie Marks Scherz auf Madagaskar nach unentdeckten Fröschen und Amphibien sucht und was es später bei der Namensgebung unentdeckter Arten zu beachten gibt - dann hört euch das ganze Audio an.