Die Datenanalysefirma Cambridge Analytica soll Millionen Facebookdaten abgegriffen und sie möglicherweise für den US-Wahlkampf und die Abstimmung über den Brexit verwendet haben. Weltweit verlangen Politiker, Datenschutzbeauftragte und Behörden jetzt Antworten - sowohl von Facebook, als auch von Cambridge Analytica. Auch der Präsident des EU-Parlaments Antonio Tajani hat jetzt eine umfassende Untersuchung angekündigt.

Im Mittelpunkt der Datenaffäre stehen Facebook und das britische Unternehmen Cambridge Analytica. Die Firma ist spezialisiert ist auf Big-Data-Analyse, unter anderem auch, um Wählergruppen zu identifizieren und zu klassifizieren. Sie verwendet dafür Social Media, Emails und auch Werbung, die auf Internetseiten geschaltet wird. Sie wirbt damit, erfolgreich Wahlkämpfe unterstützt zu haben - auch den von Donald Trump.

Was bisher geschah: Die Firma Cambridge Analytica soll auf Umwegen an 50 Millionen Facebook-Nutzerdaten gekommen sein, die sie möglicherweise auch für den Wahlkampf in den USA eingesetzt haben soll. Ob das wirklich zutrifft – auch das ist eine Frage, die nun untersucht werden soll.

Aleksandr Kogan, eine App und Facebookfreunde = Millionen Nutzerdaten

Schnittstelle zwischen dem Unternehmen und den Facebookdaten ist die App "Thisisyourdigitallife", die Aleksandr Kogan, ein Wissenschaftler in Cambridge, entwickelt hat. Die App verspricht einen Persönlichkeitstest. Die Nutzer mussten sich mit Facebook anmelden und im Kleingedruckten erlaubten sie der App Zugriffsrechte auf das eigene Facebookkonto. 270.000 User haben diese App verwendet.

Laut Facebook war dieser Datenzugriff in Ordnung – schließlich hätten die Nutzer der App zugestimmt. Das Problem liege darin, dass Kogan die Daten an zwei Firmen weitergeleitet habe – an Cambridge Analytica und an Eunoia Technologies. Über die Facebookdaten hatten die Unternehmen dann auch Zugang zu den Daten der Facebookfreunde. So zumindest wird die Diskrepanz zwischen 270.000 Nutzerprofilen und den genannten 50 Millionen betroffenen Profilen erklärt.

Jetzt steht der Vorwurf im Raum, dass die Firma Cambridge Analytica die Daten auch für Donald Trumps Wahlkampf verwendet haben und gezielt mit Hilfe der Informationen Wähler angesprochen haben soll. Gegenüber der Nachrichtenagentur Bloomberg erklärte das Unternehmen jedoch, dass das nicht stimme und dass die Daten inzwischen gelöscht seien.

Thomas Otto, Korrespondent in Brüssel, über Reaktionen der EU auf die Datenaffäre
"Da müssen erst mal zwei Fragen geklärt werden: Sind EU-Bürger betroffen - das ist ja noch unklar. Und, wenn ja, wo leben die? Anhand dessen entscheidet sich dann, welcher Datenschutzbeauftragte dafür zuständig ist."

Die Firma hat jedoch ein Glaubwürdigkeitsproblem, nachdem die BBC verdeckt den Chef des Unternehmens, Alexander Nix, gefilmt hat. Die Reporter gaben vor, reiche Wahlkampfmanager aus Sri Lanka zu sein. Daraufhin bot Nix ihnen an, Gegenkandidaten durch „ukrainische Mädchen“ diskreditieren zu lassen. Ähnliches habe man bereits bei 200 Wahlkämpfen weltweit gemacht.

Facebook hat inzwischen die Konten und Seiten von Cambridge Analytica gesperrt. Die britische Datenschutzbeauftragte hat angekündigt, die Firmenräume von Cambridge Analytica sehr bald durchsuchen zu lassen und die Verbraucherschutzbehörde FTC in den USA hat das Gleiche für Facebook angekündigt.

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