Wollt ihr wissen, wie viel Zeit ihr so auf Facebook verbringt? Das geht ab sofort mit der Funktion "Deine Zeit auf Facebook". Klingt gut, aber das Ganze ist doch eher ein Ablenkungsmanöver, sagt unsere Netzreporterin Martina Schulte.

Die Kritik an Facebook wächst und wächst, dass wir bewusst verführt werden, möglichst viel Zeit damit zu verbringen. Facebook mache uns abhängig. Mark Zuckerberg versprach schon Anfang des Jahres, den Vorwürfen etwas entgegenzusetzen.

Laut dem englischsprachigen Magazin Techcrunch rollt das Unternehmen deshalb nun weltweit ein neues Feature aus. Nach und nach wird die Funktion allen Nutzern zur Verfügung stehen, in Deutschland unter dem Namen "Deine Zeit auf Facebook". Damit zieht man gleich mit Instagram – dort gibt es schon ein vergleichbares Angebot.

"Deine Zeit auf Facebook" erst mal nur für die App

Die neue Funktion wird es zunächst ausschließlich für die mobile App geben, so Netzreporterin Martina Schulte. Zum neuen Feature gelangt ihr über die Menüleiste der Facebook-App. Unter der Rubrik "Einstellungen und Privatsphäre" findet ihr dann "Deine Zeit auf Facebook". Dort seht ihr, wie viel Zeit ihr durchschnittlich in den vergangenen sieben Tagen in der App verbracht habt. Ihr könnt auch die einzelnen Tage antippen, um eure täglichen Facebook-Dosen zu kontrollieren.

Dass "Deine Zeit auf Facebook" erst einmal nur auf der mobilen App läuft, ist halbherzig. Denn damit wird die Zeit, die ihr zum Beispiel am Computer mit Facebook verbringt, nicht eingerechnet.

Die Warnnachrichten bringen nichts

Optional könnt ihr eine tägliche Warnnachricht aktivieren, die dann nach 30 oder auch mehr Minuten – je nach Wahl – aufpoppt. Diese Art Timer lässt euch dann wissen, dass eure selbst gesteckte Zeit abgelaufen ist. Leider ist das Tool aber so gar nicht konsequent, so Martina Schulte. Denn es passiert nichts. Facebook zieht nicht den Stecker, sondern ihr könnt die Nachricht löschen und einfach weitermachen.

"Das Tool ist so inkonsequent, dass es dich eben nicht rausschmeißt."
Martina Schulte, Deutschlandfunk-Nova-Netzreporterin

Genau so inkonsequent ist noch ein anderes neues Feature auf Facebook. Damit könnt ihr über das Dashboard die nervtötenden Benachrichtigungen stumm schalten, die euch immer wieder erinnern, doch bei Facebook vorbeizuschauen. Also zum Beispiel all die Hinweise, wer heute Geburtstag hat. Diese Push-Nachrichten lassen sich ab sofort für 15 Minuten bis zu acht Stunden stumm schalten. Aber: Nach spätestens acht Stunden müsst ihr die Funktion wieder automatisch aktivieren.

Die beiden neuen Funktionen passen damit nahtlos zur bisherigen Strategie von Facebook, sagt Martina Schulte. Und diese Strategie bedeutet vor allem, abstreiten und hinauszögern.

"Die Strategie von Facebook heißt seit den US-Wahlen 'verzögern, abstreiten, ablenken'".
Martina Schulte, Deutschlandfunk-Nova-Netzreporterin

Die neuen Funktionen sollen uns mehr Autonomie schenken und uns unabhängiger machen, behauptet Facebook. Doch im Grunde sind sie nur Ablenkung, so Martina Schulte. Die Kritik an Facebook zum Beispiel durch den Ex-Programmierer Tristan Harris habe sich das Unternehmen nicht wirklich zu Herzen genommen. Tristan Harris wirft Facebook – und anderen Firmen auch – vor, dass sie uns mit Endlosnewsfeeds, Push-Nachrichten und so weiter möglichst süchtig machen wollen. "Deine Zeit auf Facebook" ist eher ein Ablenkungsmanöver, sagt Martina Schulte.

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