Es gibt Fairtrade-Klamotten, -Kaffee und -Schokolade. Jetzt werden auch Filmproduktionen mit einem Fair-Award ausgezeichnet. Mehr Fairness ist in der Branche auch bitter nötig, sagt der Schauspieler Heinrich Schafmeister.

Am 15.02. wird in Berlin der Fair Film Award verliehen. Der hat ausnahmsweise mal nichts damit zu tun, welche Leistung Schauspieler oder Regisseure vollbracht haben - es geht einzig um die Frage, wie fair und sozial gerecht eine Filmproduktion abgelaufen ist.

"Es geht am Ende darum, mit Zivilcourage und mit Charakter für faire Bedingungen zu sorgen - auch dann, wenn die Bedingungen sehr schwierig sind."
Heinrich Schafmeister

Die Filmbranche muss fairer werden, fordert unter anderem Heinrich Schafmeister, Schatzmeister beim Bundesverband Schauspiel. Und er nennt diverse Probleme:

  • Mangelnde Gleichberechtigung: Auf den Leinwänden und Bildschirmen sind Männer doppelt so präsent wie Frauen.
  • Frauen werden schlechter bezahlt als Männer - sowohl als Schauspielerinnen als auch als Mitglieder des Produktionsteams, also etwa Beleuchterinnen, Kameraleute, Drehbuchautorinnen, Maskenbildnerinnen etc.
  • Fast alle Teammitglieder sind nur kurzzeitig beschäftigt. Will man sie loswerden, müssen sie gar nicht gekündigt werden - es reicht, sie einfach nicht wieder zu beschäftigen.
  • Lange Arbeitszeiten: Am Set dürfen bis zu 13 Stunden pro Tag gearbeitet werden (was nicht einfach zu kontrollieren ist).
  • Budgets und Zeit werden knapper, weniger Menschen als früher können von Filmproduktionen leben.

"Wir sind wirtschaftlich und sozial in einem schwierigen Umfeld, wo Fairness nicht selbstverständlich ist", sagt Heinrich Schafmeister. Und doch sei es möglich, einen Film so zu produzieren, dass am Ende alle Beteiligten einigermaßen zufrieden sein können. Genau solche Filme sollen mit dem Fair Film Award ausgezeichnet werden.

Zentrale Beschwerdestelle für faire Filmproduktionen

Nominiert sind unter anderem der Kinofilm "High Society" und eine Ausgabe des "Polizeiruf 110". Abgestimmt wird von den Teammitgliedern selbst, es gibt keine Jury. Es geht dabei unter anderem um Arbeitszeiten, Arbeitsschutz, vertragliche Bedingungen, Arbeitsklima und Gleichberechtigung.

"Man sieht immer nur die Filme. Aber wie es den Leuten geht, die diese Filme herstellen - das ist sehr unterbelichtet."
Heinrich Schafmeister, Bundesverband Schauspiel

Neben dem Fair Film Award gibt es diverse weitere Ansätze, die Arbeitsbedingungen in der Filmbranche zu verbessern. Einer davon ist: eine übergeordnete Beschwerdestelle zu schaffen, an die sich Filmschaffende wenden können.

Zwar müssen Produktionsfirmen heute schon eine Beschwerdestelle anbieten - das sei aber nicht effektiv, sagt Heinrich Schafmeister. Denn erstens wechselten Teammitglieder und Schauspieler häufig die Firmen, zweitens seien diese oft so klein, dass eine solche Stelle für sie gar nicht umsetzbar sei.

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