Fehlinformationen verbreiten sich schnell über Social Media. Daran haben wir einen großen Anteil. Warum es nicht ausreicht, Fake News nur aufzudecken, und was wir selbst tun können, erklärt Alexander Sängerlaub. Er hat zu Fake News geforscht.

Der Kommunikations- und Medienwissenschaftler Alexander Sängerlaub leitet bei der Stiftung Neue Verantwortung das Projekt "Desinformation in der digitalen Öffentlichkeit". In diesem Rahmen hat er untersucht, wie wirksam Fakten-Checks Desinformationen aushebeln.

Desinformationen werden ganz gezielt in die Welt gesetzt. Alexander Sängerlaub sagt, dass es dafür in der Regel zwei Gründe gibt: Entweder, weil sich mit dem Teilen von Fake News Geld verdienen lasse, oder weil Menschen in eine politische Richtung gelenkt werden sollen. Der Medienwissenschaftler erklärt das Problem folgendermaßen: Wir konsumieren Informationen über Social Media eher nebenbei und sind dabei oft ziemlich unaufmerksam. Das wiederum hat zur Folge, dass wir Informationen liken oder teilen, ohne sie vorher zu prüfen. Damit würden wir für eine starke Verbreitung von Desinformation sorgen.

"Wenn wir eine Informationen bekommen, von der wir denken, die ist stimmig, nehmen wir sie auf."
Alexander Sängerlaub forscht zu Fake News

Hinzu komme, dass wir Informationen, die gut in unsere Weltsicht passen, leichter Glauben schenken und weiterverbreiten würden. In der Wissenschaft wird das confirmation bias genannt, sagt Alexander Sängerlaub. Auch durch dieses Verhalten sorgen wir dafür, dass sich Fake News rasant verbreiten.

"Einstellungswandel ist in der Psychologie eine vertrackte Kiste. Bis ich jemanden überzeugt habe, seine Einstellung aufzugeben, ist das ein langer Weg."
Alexander Sängerlaub über die Schwierigkeit, gegen Fake News anzukämpfen

Wenn wir so weit sind, dass wir eine bestimmte Weltsicht akzeptiert und angenommen haben, sei es schwer, uns vom Gegenteil zu überzeugen, sagt Alexander Sängerlaub. Gerade von politischen Einstellungen seien wir eher schwer abzubringen. Als Beispiel nennt er das Aufdecken von Desinformationen, die die französische Präsidentschaftskandidatin Marine Le Pen im Wahlkampf gestreut hat. Obwohl ihr nachgewiesen wurde, Fehlinformationen zu verbreiten, haben sich ihre Anhänger nicht von ihr abgewendet.

Wie Fakten-Checks Fake News befeuern

Meist würden Desinformationen in Gruppen von Social Networks geteilt und bestätigt. In diesen sogenannten Filterblasen sei es besonders schwierig, gegen Fake News anzukämpfen. Dabei kann es zum Backfire-Effekt kommen, der besonders stark in Facebook-Gruppen wirke. Mitglieder, die versuchen mit Gegeninformationen die Fake News aufzudecken, werden eher ausgeschlossen, erklärt Alexander Sängerlaub.

"Das ist der sogenannte Backfire-Effekt. Wenn sie sich ihre eigene Filterblase gebaut haben, dann bestätigt man sich gegenseitig, dass derjenige, der mit den Fakten kommt, eigentlich nicht zur Gruppe gehört. Dann glaubt man noch tiefer an das, was man vorher geglaubt hat."
Alexander Sängerlaub erklärt, warum sich Fake News hartnäckig halten

Menschen, die sich zu einem Thema noch keine abschließende Meinung gebildet hätten oder noch auf der Suche nach Informationen dazu seien, wären gegenüber einem Fakten-Check eher offen und bereit abzuwägen, welchen Informationen sie Glauben schenken wollen. 

Von Social Media überfahren

Das Problem bei der Unterscheidung von wahren und falschen Informationen liege vor allem an einer zersplitterten und vielfältigen Öffentlichkeit. Das habe Vorteile, sagt Alexander Sängerlaub, aber genauso viele Nachteile. Denn wir selbst seien Teil der Öffentlichkeit geworden. Jeder könnte Informationen erstellen und verbreiten. 

"Wir sind alle von Social Media überfahren worden. Wir nutzen das alle zur Informationsvermittlung. Aber so richtig sind wir noch gar nicht firm darin, wie wir als Bürger die guten von den schlechten Informationen trennen."
Alexander Sängerlaub über das Problem, richtig mit Social Media umzugehen

Bevor es Social Media gab, lag die diese Kompetenz, zwischen wahren und falschen Informationen zu unterscheiden und sie einzuordnen, hauptsächlich bei Journalisten. In den Redaktionen werden die Informationen vorsortiert. Doch dem einzelnen User fehle die journalistische oder mediale Bildung. Deshalb sollten Medienunternehmen und Journalisten wieder Vertrauen schaffen und die Menschen davon überzeugen, dass sie die Informationen sorgfältig prüfen, bevor sie darüber berichten.

Inzwischen sei messbar, dass sich weniger Menschen beispielsweise über Facebook mit Nachrichten versorgen, berichtet Alexander Sängerlaub.


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