Fliegen soll ökonomisch sein. Das behauptet gerade der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft in einem Werbespot. Kann das so stehenbleiben? So ganz stimmt das leider nicht. Die Kernaussage des BDL: Flieger brauchen im Schnitt nur vier Liter auf 100 Kilometer.

Wir haben unseren Reporter Jörg Brunsmann, mal nachrechnen lassen. 3,6 Liter auf 100 Kilometer hat er ermittelt. Das Problem: Die Rechnung geht nur auf, wenn die Bedingungen optimal sind. Je mehr Plätze frei bleiben - und gerade bei Linienflügen kommt das ja öfter vor - desto weniger stimmt dieser Wert. So ein Jet braucht sehr viel Kerosin, alleine um in die Luft zu kommen. In einen Airbus A321 passen 200 Leute. Wenn davon nur zehn Plätze frei bleiben, dann verbraucht jeder der Passagiere ein Wasserglas voll Kerosin mehr pro 100 Kilometer.

"Je mehr Plätze frei bleiben, desto weniger stimmt der Wert."
DRadio-Wissen-Reporter Jörg Brunsmann

Vor allem der Start kostet sehr viel Energie. Das heißt: Kurzstreckenflüge sind in der Energiebilanz deutlich schlechter als die Langstrecke. Und wenn der Pilot dann vor der Landung noch drei Extrarunden drehen muss, kostet das auch Sprit. Immerhin: Moderne Flugzeuge brauchen weniger Kerosin, die Turbinen sind in den vergangenen Jahren deutlich besser geworden. Also im Vergleich zu früher ist die Jetfliegerei viel energieeffizienter geworden.

Trotzdem ist die Behauptung "Fliegen ist das neue Öko" nicht haltbar. Flieger pusten ihr Abgas größtenteils nicht am Boden in die Luft, sondern weit oben, in der Atmosphäre. Das macht dann vor allem in Sachen Klimaschutz den Unterschied. Der Naturschutzbund hat zusammengerechnet: Einmal nach Mallorca fliegen ist demnach für das Klima so schädlich, als ob wir mehr als 100.000 Kilometer mit dem Auto fahren.

Der Reisebus ist am sparsamsten

Das Umweltbundesamt sieht das ganz ähnlich: Es hat für verschiedene Verkehrsmittel durchgerechnet, wie Reisende am umweltfreundlichsten unterwegs sind. Der Spitzenreiter: der Reisebus - noch vor der Eisenbahn. Wer das umrechnet, kommt auf 1,4 Liter Benzin pro Passagier und 100 Kilometer.

Der BDL versucht, sich unterdessen rauszureden: Jetzt sollen die Studenten schuld sein. Den Werbespot, schreibt der Verband bei Facebook, habe man zusammen mit Studenten der Filmakademie Baden-Württemberg realisiert. Und zu dem Ökospruch heißt es: "Ohne Frage ist die Formulierung provokant." Oder einfach falsch.