Fast 300.000 Menschen flüchteten 2017 aus den kleinen Ländern im nördlichen Mittelamerika. Aktuell sind rund 10.000 auf dem Weg Richtung USA. Für Donald Trump ein Wahlkampfthema. Ein Medico-Mitarbeiter berichtet aus Mexiko.

Sie laufen zu Fuß aus Mittelamerika Richtung USA: Am Mittwoch (31.10.2018)  brach eine weitere Gruppe von rund 600 Migranten in El Salvador auf, das berichtete die guatemaltekische Tageszeitung Prensa Libre. Damit sind derzeit etwa 10.000 Menschen in größeren Gruppen unterwegs in den Norden. Die vor mehr als zwei Wochen in Honduras gestartete erste große Gruppe mit mehr als 6000 Migranten machte Station in der mexikanischen Stadt Juchitán. Dort versorgen Hilfsorganisationen die erschöpften Menschen mit Lebensmitteln und Medikamenten. 

Hilfsorganisationen versorgen die Menschen

In Juchitán ist derzeit auch Moritz Krawinkel. Er ist Online-Redakteur für die deutsche Hilfs- und Menschenrechtsorganisation Medico International. Er sagt, auch schon 2017 haben nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks etwa 294.000 Menschen ihre Heimat in Mittelamerika verlassen. Deshalb sprechen viele auch von einem Exodus.

"Viele hier sprechen von einem Exodus. 2017 haben 294.000 Menschen Guatemala, Honduras und El Salvador verlassen und in benachbarten Ländern und den USA eine Anerkennung als Flüchtling beantragt. Das sind unglaubliche Zahlen für diese kleinen Länder."

Zum Vergleich: Guatemala hatte 2017 geschätzt rund 15,5 Millionen Einwohner, Honduras 2016 etwa 9 Millionen, El Salvador geschätzt 6,2 Millionen.

US-Präsident Donald Trump kündigte an, 15.000 Soldaten zur Abschreckung an die Grenze nach Mexiko zu schicken. Und er drohte: Sollten sie Steine gegen Polizisten werfen, könnten diese Gebrauch von ihren Waffen machen. Trump will die Bestimmungen für Asylanträge verschärfen: Nur wer legal ins Land gekommen sei, soll einen Asylantrag stellen können.

Härtere Töne vor den Wahlen

Donald Trump ist mitten im Wahlkampf. Am Dienstag (6.11.2018) finden die Midterm-Wahlen statt. Die Abgeordneten in Senat und Repräsentantenhaus werden neu gewählt. Viele Flüchtlinge lassen sich trotz der harten Töne nicht abschrecken, sagt Moritz Krawinkel.

"Ein Honduraner sagte uns, 'Wir stehen über dem, was Trump sagt, denn das letzte Wort hat Gott.' Mit dieser Einstellung sind die Menschen ziemlich weit gekommen."

Geflüchtete hoffen auf Busse

Unter den Flüchtlingen sind auch viele Kinder. Migranten-Sprecher Manuel Valenzuela sagte, die Migranten hoffen, dass Hilfsorganisationen oder die Regierung ihnen Busse zur Verfügung stellen, damit sie bis nach Mexiko-Stadt reisen können. Moritz Krawinkel meint, dass viele der Flüchtlinge unvorbereitet losgegangen sind, ohne sich genau zu überlegen, was sie auf dem Weg oder an der Grenze erwarten könnte.

​"Viele Menschen haben Hals über Kopf ihre Häuser und Liebsten in Honduras, El Salvador oder Guatemala zurückgelassen und sich auf den Weg gemacht - oft nicht mit mehr als was sie am Leib tragen."

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