Mehr als 400.000 Rohingya sind seit Ende August von Myanmar nach Bangladesch geflohen. Darunter viele Frauen mit Kindern. Sie versuchen sich vor der anhaltenden Gewalt gegen die muslimische Minderheit in Sicherheit zu bringen.

Die Flüchtlingslager hinter der Grenze zu Myanmar sind überfüllt. Bangladesch bleibt erste Anlaufstelle für die muslimische Minderheit aus dem Nachbarland, obwohl das Land selbst arm ist und die Hunderttausenden von Flüchtlingen nur schlecht versorgen kann. Unsere Korrespondentin Silke Diettrich hat dort die Menschen in den Flüchtlingslagern besucht.

"Die Menschen hocken am Straßenrand und recken ihre Hände nach oben, bitten um Hilfe. Es ist ein totales Durcheinander. Alle suchen Essen, trockene Kleidung, Medizin und sauberes Wasser."
Deutschlandfunk-Nova-Korrespondentin Silke Diettrich

Die Menschen, die der Volksgruppe der Rohingya angehören, kommen fast alle aus dem Bundesstaat Rakhine, der direkt an der Grenze liegt. 

In Bangladesch sind die Flüchtlinge zumindest vor Verfolgung sicher, sprechen die gleiche Sprache wie die Menschen im Süden des Landes - und sind auch Muslime. Trotzdem sind die Zustände in den Lagern extrem.

"Alle sind geflohen, weil sie Angst um ihr Leben hatten."
Deutschlandfunk-Nova-Korrespondentin Silke Diettrich

Auch wenn sich die Regierung in Bangladesch noch sehr hilfsbereit zeigt, ist es doch nur eine Lösung auf Zeit. Denn, ob das arme Land selbst über längere Zeit Hilfe leisten kann, ist unwahrscheinlich. UN-Sicherheitszonen in Myanmar könnten die Situation in den Flüchtlingslagern entspannen.

Auch für Journalisten extrem belastend

Die Situation als Journalistin vor Ort beschreibt unsere Korrespondentin Silke Diettrich als extrem grenzwertig: "Ich habe mich einfach hilflos gefühlt. Eine heftige Geschichte folgte auf die nächste."  

"Von meinem Versteck aus habe ich gesehen, wie mein Sohn versucht hat zu fliehen. Sie haben ihn nieder gestoßen und ins Feuer geschmissen."
Die 35-jährige Hasina berichtet von den Ereignissen vor ihrer Flucht

Bangladesch hat doppelt so viele Einwohner und nur halb so viel Platz wie Deutschland. Der Mindestlohn liegt bei 60 Euro im Monat und im Sommer wurde ein Drittel des Landes komplett überschwemmt. Viele Ernten sind dabei kaputtgegangen - dadurch sind dann auch Lebensmittel teurer geworden. Alleine schafft es das gebeutelte Bangladesch nicht die vielen Flüchtlinge zu unterstützen, meint Silke Diettrich.

"Reicht es überhaupt hier nur zu berichten, oder was kann ich sonst noch für die Menschen tun?"
Deutschlandfunk-Nova-Korrespondentin Silke Diettrich

Schon vor der Krise haben 400.000 Rohinya in Bangladesch gelebt, ohne Arbeitserlaubnis - die meisten illegal und perspektivlos. Nun sind noch einmal 400.000 Menschen vor der Gewaltwelle aus Myanmar geflohen.  

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