Für viele ist im Sommer Urlaubszeit – endlich raus und weg. Doch für einige endet die Reise bereits am Flughafen. Derzeit wird Ryanair bestreikt.

In Spanien, Portugal und Belgien streiken die Flugbegleiter bei Ryanair. Rund 50.000 Urlauber sind betroffen. Bei dem zweitägigen Streik fallen rund 600 innereuropäische Flüge aus. Der Streik wirkt sich auch auf Flüge aus, die nicht nach Spanien, Portugal oder Belgien gehen, sodass es auch zu Verspätungen und Annullierungen auf anderen Strecken kommen kann. Der Streik soll bis zum 25. Juli dauern. Noch ist Deutschland nicht betroffen, doch für Ende Juli drohen deutsche Ryanair-Piloten mit dem nächsten Streik.

Miese Gehälter bei Ryanair

Grund für den Streik sind die geringen Gehälter - sowohl von Piloten als auch von Flugbegleitern. Meist sind die Mitarbeiter nach irischem Recht angestellt und das zu vergleichsweise schlechten Bedingungen. Bislang haben sich Arbeitnehmervertretungen und Gewerkschaften bei Ryanair wenig durchsetzen können. Aber jetzt scheinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Airline in verschiedenen Ländern die Nase voll zu haben. Sie wollen Ryanair zwingen, nationale Gewerkschaften als Tarifpartner anzuerkennen.

Gewerkschaften an Bord bei Ryanair

Der Druck der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wirkt offenbar: Ryanair hat angefangen, mit Arbeitnehmervertretern zu verhandeln. In Deutschland hat Ryanair am 18. Juli die Gewerkschaft Verdi als Vertretung der Flugbegleiter anerkannt. Für die deutschen Piloten verhandelt die Gewerkschaft Cockpit mit Ryanair. Bis Ende Juli stimmen die Ryanair-Piloten hierzulande über einen unbefristeten Streik ab. Dann könnte es auch in Deutschland zu Flugausfälle durch Piloten-Streiks geben.

Ansprüche auf Entschädigung geltend machen

Streiks gelten in der Regel als so genannte außergewöhnliche Umstände, sodass Passagiere nach EU-Recht keinen Anspruch auf Entschädigung haben. In letzter Zeit hat es dazu aber widersprüchliche Gerichtsurteile gegeben. Daher sollten geschädigte Passagiere auf jeden Fall eine Entschädigung von Ryanair verlangen. Lehnt die Fluggesellschaft diese ab, können sich die Passagiere an die Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr (SÖP) wenden. Denn laut SÖP-Geschäftsführer Heinz Klewe sind die Chancen auf eine Entschädigung gut.

"Bis jetzt sind die Schlichtungsverfahren mit Ryanair gut gelaufen."
Heinz Klewe, Geschäftsführer SÖP

Unabhängig von einer möglichen Entschädigung muss die Fluggesellschaft Passagiere auf jeden Fall schnellstmöglich über einen Flugausfall informieren. Auf der Website können die betroffenen Passagiere kostenlos umbuchen oder den Flug komplett stornieren. Pauschalreisende dagegen wenden sich am besten an den Reiseanbieter.

Warum Flieger derzeit nicht abheben

Aber nicht nur Ryanair hat Probleme. Flugausfälle und Verspätungen sind in Europa momentan an der Tagesordnung. Es trifft fast alle Airlines von Eurowings über Tuifly bis zu Small Planet Airlines. Die Gründe für die Probleme sind vielfältig: 

  • Gewitter, die umflogen werden mussten 
  • Komplizierte Übernahme ehemaliger Air-Berlin-Flugzeuge
  • Streiks der französischen Fluglotsen
  • Streiks in Griechenland und Italien
  • Personalmangel bei der Flugsicherung
  • Technische Pannen an Flugzeugen 

Die Chefs von Lufthansa und Eurowings haben sich sogar mit offenen Briefen an die Kunden für das Chaos entschuldigt.


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