Zwischen Januar und September 2017 verhinderten Piloten 222 Mal eine Abschiebung. Sie weigerten sich, abgeschobene Asylsuchende an Bord zu nehmen. Warum - das weiß Jörg Handwerg, Pilot und Vorstandsmitglied in der Gewerkschaft Cockpit.

Piloten können nicht einfach so einen Abschiebeflug verhindern, sagt Jörg Handwerk. "Dem Piloten steht nicht zu, eine Überprüfung der Entscheidung des Gerichts vorzunehmen", sagt er.

Aber der Pilot kann entscheiden, ob ein Passagier die Sicherheit der anderen Fluggäste gefährdet. Eine Entscheidung, die der Pilot für jeden Passagier treffen kann.

Politische Überzeugungen zählen nicht

Wenn ein Pilot feststellt, dass ein Passagier die Flugsicherheit gefährdet, kann er sich weigern, die Person an Bord zu nehmen. Die Entscheidung muss er unabhängig davon treffen, ob er Abschiebungen generell ablehnt oder befürwortet.

"Ein Pilot kann seine eigene Meinung haben, aber die darf hier keine Rolle spielen."

Aber auf welcher Grundlage entscheiden Piloten überhaupt? Vor Abflug bekommen sie extra Informationen zu Passagieren, die abgeschobene Asylsuchende sind, erzählt Handwerg. "Da gibt es unterschiedliche Kategorien," sagt er. Straftäter zum Beispiel werden von der Bundespolizei begleitet. Dann gibt es Ausreisewillige, die kaum ein Sicherheitsrisiko darstellen.

Entscheidend ist die Sicherheit an Bord

Es ist die Aufgabe der Kabinencrew genau hinzuschauen. Es reicht nicht, dass ein Fluggast nervös ist. Aber es kann auch sein, dass ein Passagier noch vor dem Flug gewalttätig ist oder sich sehr aggressiv verhält. "Dann kann es schon sein, dass wir sagen: Aus Sicherheitsgründen können wir den Passagier nicht befördern. Er würde mit hoher Wahrscheinlichkeit auch andere gefährden", sagt Handwerg.

Er selbst musste bislang keine solche Entscheidung treffen. Nur einmal war er knapp davor: Eine Person, die er mitnehmen sollte, begann noch vor dem Betreten des Flugzeugs mit den Bundespolizisten zu kämpfen. In der Situation entschied die Bundespolizei, den Passagier gar nicht erst an Bord zu bringen.

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