Viele Prominente haben Privatflugzeuge. Pro Kopf und Kilometer ist ihr Kraftstoffverbrauch oft um Größenordnungen höher als der bei Linienflügen. Doch das Flugzeug von Friedrich Merz ist relativ sparsam.

Kylie Jenner ist vor Kurzem in ihrem Privatflugzeug von einem Ort in Kalifornien zu einem anderen Ort in Kalifornien geflogen. Flugzeit: 17 Minuten. Dafür erntete sie Kritik. Eine solch kurze Strecke könne man ja wohl auch gut im Auto zurücklegen, das im Vergleich zu ihrem Flugzeug des Modells "Bombardier Global 7500" deutlich weniger CO2 ausstoßen würde. Dieser Jet ist 34 Meter lang und kann bis zu 19 Passagiere befördern.

Auch in Deutschland wird über ein Privatflugzeug eines Prominenten gesprochen: CDU-Chef Friedrich Merz ist vor Kurzem mit seinem eigenen Flugzeug zur Hochzeit von Finanzminister Christian Lindner nach Sylt geflogen.

50 Liter Diesel pro Stunde

Man könnte es vermutlich befremdlich finden, wenn ein Politiker mit einem eigenen Flugzeug, das rund eine Million Euro kostet, eine Hochzeit besucht, während viele Menschen in Deutschland nicht wissen, wie sie mit den gestiegenen Energie- und Lebensmittelpreisen umgehen sollen.

Davon abgesehen: Das Privatflugzeug von Friedrich Merz ist in Sachen Klimabilanz tatsächlich einigermaßen vergleichbar mit der Anreise mit einem nicht sehr spritsparenden Auto.

Merz fliegt das Modell "Diamond DA62" – ein kleines Flugzeug mit zwei Propellern und einer Höchstgeschwindigkeit von 356 Kilometern pro Stunde. Laut dem Fliegermagazin verbraucht es bei einer Reisegeschwindigkeit von 325 km/h 50 Liter Diesel pro Stunde. Das entspricht also einem Verbrauch von 15 bis 16 Liter auf 100 Kilometer.

Große, hochmotorisierte Limousinen haben einen ähnlich hohen Verbrauch. Der Hinweis von Friedrich Merz, er sei nicht klimaschädlicher unterwegs als andere, ist also je nach Verkehrsmittel, mit dem verglichen wird, nicht falsch. Anders formuliert: Wer die CO2-Bilanz von Merz’ Privatflug kritisiert, könnte bei den spritschluckenden Fahrzeugen anderer Hochzeitsteilnehmer gleich weitermachen.

"Leonardio DiCaprio war vor einigen Jahren in Cannes, Frankreich, und ist mit seinem Privatjet nach New York geflogen, um einen Umweltschutz-Preis entgegenzunehmen. 24 Stunden später war er wieder zurück."
Johannes Döbbelt, Deutschlandfunk Nova

Der Verbrauch anderer Privatflugzeuge liegt dagegen in einer anderen Größenordnung. Der Jet von Kylie Jenner zum Beispiel kann 23.000 Kilogramm Treibstoff laden und hat eine maximale Reichweite von 14.000 Kilometern. Das entspricht einem Verbrauch von rund 160 Litern pro 100 Kilometer.

Wie der britische Dienstleister für Datenaufbereitung "Real World Visuals" ermittelt hat, erzeugt ein Flug mit einem üblichen Jumbojet von London nach New York circa 200 Tonnen Kohlendioxid. Bei einer mittelhohen Auslastung des Flugzeugs sind das rund 570 Kilogramm CO2 pro Person.

Fliegt eine Person dieselbe Strecke mit dem Privatjet, emittiert sie je nach Flugzeugmodell und Reisegeschwindigkeit in der Größenordnung 25.000 Kilogramm CO2 – also das 40-fache.

Kurzstrecken besonders problematisch

Die CO2-Bilanz pro Kilometer fällt bei kurzen Strecken noch schlechter aus. Denn für den Start wird überproportional viel Kraftstoff gebraucht.

Der Twitter-Kanal "Celebrity Jets" nutzt öffentliche Flugdaten, um die Flüge von Promis zu tracken. Er zeigt, dass es manchen Promis anscheinend egal ist, wie kurz ihre Flüge sind:

Der Schauspieler Marc Wahlberg ist mal in 23 Minuten innerhalb von Irland hin- und hergeflogen. Der Sänger Drake war 18 Minuten lang unterwegs innerhalb von Ontario. Der Profiboxer Floyd Mayweather ist von der Stadt Henderson nach Las Vegas geflogen. Flugzeit: Zehn Minuten.