Unterwegs in Alaska hat unser Korrespondent Thilo Kößler verheerende Folgen des Klimawandels gesehen. Die Insel Sarichef ist dem Untergang geweiht.

In Alaska gibt es 100.000 Gletscher. Wissenschaftler des U.S. Geological Survey untersuchen 25.000 davon bereits seit über 50 Jahren. In den letzten 20 Jahren hat sich eine alarmierende Entwicklung abgezeichnet. 

Das Eis taut ab und die Gletscher kollabieren mit einem riesen Getöse oder ergießen sich in reißenden Sturzbächen. Seit 1950 ist der Exit-Gletscher im Kenai Fjords Nationalpark, den unser Korrespondent Thilo Kößler bei einer Gletscherwanderung angesehen hat, um 750 Meter kleiner geworden und um 100 Meter dünner.

Gletscher in Alaska
© Thomas Spang
Die Forscher dokumentieren mit Markern jedes Jahr, bis wo der Gletscher reicht.
"Das ist wie ein Besuch am Krankenbett, man kann es gar nicht anders sagen. An Stellen die vor wenigen Jahren noch mit Eis bedeckt waren, blühen jetzt Blumen und es wachsen erste Bäume."
Thilo Kößler, Korrespondent

Das ganze Ökosystem ist dadurch betroffen und die Menschen, die dort leben, sprechen davon, dass die Tierwelt in Aufruhr ist. Durch die Erderwärmung steigt die Wassertemperatur. 

Viele Fisch und Krebsarten sind dadurch gezwungen, sich in tieferes Wasser zu begeben. Das wiederum hat eine Auswirkung auf viele Vogelarten, für die es dadurch schwierig wird, Nahrung zu finden. Eisbären, Robben und Walrosse wandern in den Norden Alaskas ab. Durch den Futtermangel attackieren Eisbären öfter als zuvor Menschen. 

"Das gesamte Ökosystem der Eiswelt verändert sich: Die Erderwärmung führt zum Abtauen, der Meeresspiegel steigt - das bedeutet, das etliche Orte in Alaska vom sicheren Untergang bedroht sind."
Thilo Kößler, Korrespondent

Für Sarichef gibt es keine Zukunft

Akut bedroht ist auch die Zukunft des Iñupiat-Volkes, indigene Ureinwohner, die 1920 auf der Insel Sarichef angesiedelt wurden. Die Insel liegt 35 Kilometer vom Polarkreis und 150 Kilometer von Russland entfernt. Die Jagd ist für die Iñupiat beispielsweise gefährlicher geworden, weil das Eis dünner ist und die Jäger leichter verunglücken können. 

Durch das Abschmelzen des Eises sind die 580 Bewohner des einzigen Ortes Shishmaref nicht mehr vor den Stürmen im Herbst und Winter geschützt. Das Wasser der Wellen trifft auf die Dächer mancher Häuser. Die Insel wird immer kleiner, weil das Meer Teile von ihr abträgt, auch ganze Häuser wurden schon weggeschwemmt. 

Insel mit ärmlichen Hütten
© Thomas Spang
Die Bewohner von Shishmaref würden die Insel am liebsten verlassen. Doch woher kommt das Geld?

Die Inselbewohner fühlen sich verraten

Die Bewohner wollen die Insel Sarichef endgültig verlassen, weil sie glauben, dass die letzten Tage von Shishmaref angebrochen sind. Doch Alaskas Kassen sind leer. Viel Hilfe können sie nicht erwarten, da das Gesetz es nicht vorsieht, solche Hilfsmaßnahmen zu finanzieren.

"In den USA gibt es keinen Fond für präventive Maßnahmen. Das heißt: Erst muss die Katastrophe kommen, dann gibt es Geld. Das ist wie bei Hurrikan Katrina in New Orleans - das war auch eine Katastrophe mit Ansage, nur dort gelang die Evakuierung. Ob das in Shishmaref gelingt, das ist wirklich die Frage."
Thilo Kößler, Korrespondent
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