Die EU findet EU-Lebensmittel sind wirklich sicher. Foodwatch widerspricht und erinnert an: Lasagne mit Pferdefleisch und Eier mit Fipronil. Unsere Reporterin hat sich die Sache angesehen.

Lebensmittelskandale werden uns auch in Zukunft beschäftigen und Menschenleben gefährden, sagt die Verbraucherorgansation Foodwatch. Unsere Reporterin Verena von Keitz wollte es genauer wissen. Hintergrund ist, dass die Europäische Kommission am 11. April einen Vorschlag vorgelegt hat, um das  EU-Lebensmittelrecht zu reformieren.

Verena hat mit Lena Blanken von Foodwatch gesprochen. Sie war bei der Pressekonferenz in Brüssel dabei und sagt: Nein, bei der Reform gehe es nicht um Verbraucherschutz.

"Es gab einen Lebensmittelskandal nach dem anderen: 2013 Pferdefleisch in der Lasagne, 2017 Fipronil in Eiern, 2017 mit Salmonellen kontaminierte Babymilch. Die EU-Kommission unternimmt nichts, um uns Verbraucher zu schützen. Das ist der eigentliche Skandal."
Lena Blanken, Volkswirtin bei Foodwatch

Bei dem Reformvorschlag geht es hauptsächlich darum, das Thema Risikobewertung öffentlicher zu machen. Verbraucher sollen Zugang zu Studien erhalten – beispielsweise zum Unkrautvernichtungsmitteln Glyphosat. Das ist aus Sicht von Foodwatch zu wenig und werde Lebensmittelskandale nicht verhindern.

Die Organisation fordert deshalb, dass die Herkunft von Lebensmitteln endlich wasserdicht zurückverfolgbar sein muss. Der Weg einer Salami oder von Eiern müsse über alle Lieferketten und Verarbeitungsstätten bis zum Bauern zurückverfolgt werden können.

Rückverfolgung nicht mit Sicherheit möglich

Eine Sprecherin der EU-Kommission hat der Deutschen Presseagentur gesagt, dass schon sehr viel auf den Weg gebracht worden sei, eben auch die Rückverfolgbarkeit. Diese sei aber nicht mit letzter Konsequenz gesichert, meint Lena Blanken von Foodwatch und nennt als Beispiel den Fipronilskandal.

"Bei dem Fipronilskandal haben wir gesehen, dass die Behörden nicht angeben konnten, wo die Eier gelandet sind. Zwischen 10 und 30 Millionen mit Fipronil belastete Eier sind auf dem Markt. Wenn eine Behörde das merkt, dann müssen sie die Unternehmen verpflichten, endlich ihre gesamten Lieferketten zu kennen."
Lena Blanken, Volkswirtin bei Foodwatch

Foodwatch fordert, dass die EU-Kommission die entsprechenden Vorgaben durchsetzt und dass auch Verbraucherverbände die Möglichkeit bekommen, Behörden zu verklagen, wenn die ihre Verpflichtungen im Rahmen des EU-Rechts missachten.

Auch in Sachen Informationspolitik sei der Fipronilskandal ein schlechtes Beispiel. Die Öffentlichkeit ist erst rund zwei Monate nachdem belgische Behörden Kenntnis von belasteten Eiern hatten, informiert worden. Deshalb die Forderung von Foodwatch: Die Behörden sollten sofort umfassend informieren, sobald sie von vergleichbaren Fällen erfahren. 

"Also welche Lebensmittel sind betroffen, wie heißt der Hersteller, wo ist es erhältlich, dass sich die Verbraucher schützen können, was sie nicht essen dürfen oder was sie aus dem Kühlschrank räumen müssen."
Lena Blanken, Volkswirtin bei Foodwatch

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