Schreibe ich "Arschloch" oder "Aschloch"? Erwähne ich beim Bekennerschreiben Details oder nicht? Die forensische Linguistin Gudrun Müller untersucht Geschriebenes - und überführt so manchmal Kriminelle und Schwindler.

Wenn es beim Erbe Unstimmigkeiten gibt und zum Beispiel diejenigen, die zu wenig vom Erbe abbekommen sollen, anzweifeln, das Testament hätte die Oma wirklich selbst geschrieben, dann kann vielleicht Gudrun Müller helfen. Sie ist forensische Linguistin - das heißt, sie untersucht Geschriebenes auf ihren Inhalt, Ausdruck, Sprache, Grammatik, Ästhetik, regionale Besonderheiten und vieles mehr. Beim Erbe sollte sie untersuchen: Hat die verstorbene Oma das Testament wirklich selbst geschrieben?

In diesem Fall hatte Gudrun Müller Glück, weil sie von der Oma verfasste Kochrezepte als Vergleichsmaterial zur Verfügung hatte. Sie hatte Gedanken, Situationen und Momente aus ihrem Leben zu den Kochrezepten in ein Kochbuch eingetragen. "Das war eine prima Basis, um zu sagen: Das Testament ist authentisch", sagt Müller.

Polizei beauftragt forensische Linguistin

Die forensische Linguistin Müller wird zum Beispiel von der Polizei beauftragt, von Staatsanwälten, Detektiven, Unternehmen, aber auch Privatpersonen - zum Beispiel, wenn sich ältere Damen von vermeintlichen Liebesbriefen bedroht fühlen und wissen möchten, wer dahinter steckt. Sie analysiert dann den Text und verfasst ein Gutachten, in dem sie auch die Quellen vermerkt, die sie zu ihrem Ergebnis kommen lassen. Das funktioniert dann besonders gut, wenn sie Vergleichsmaterial hat - wie die Kochrezepte der Oma.

Gudrun Müller arbeitet immer nur an einem Gutachten zur selben Zeit. Sie sagt, sie tauche richtig ein in die Sprache, deshalb könne sie immer nur an einem Gutachten arbeiten. Dabei sei es auch nicht so wichtig, ob sie ein einzelnes Wort analysiert oder einen längeren Text.

"'Arschloch' kann man auf viele verschiedene Arten schreiben."
Gudrun Müller, forensische Linguistin

Das Wort "Arschloch" etwa könne man auf viele verschiedene Arten schreiben, sagt sie - zum Beispiel ausschließlich in Großbuchstaben. Oder ohne R. In einem aktuellen Fall sei das genau so gewesen. Der oder die Verfasser/in hat es genau so unter einen Liebesbrief geschrieben. Und das könne dann auch einen Hinweis auf die Autorenschaft liefern: Wenn in anderen Dokumenten dieser oder ähnliche Rechtschreibfehler ebenfalls auftaucht.

Bekennerschreiben: angeblich jemanden umgebracht

Liegen keine Vergleichsdokumente vor, ist die Suche schwieriger. Aber trotzdem kann die forensische Linguistin Müller bei der Suche helfen. Analysiert sie zum Beispiel aufgrund der verwendeten Sprache ein höheres Alter, ist das eine wichtige Information, die etwa der Polizei helfen kann.

Ein anderes Beispiel: Sie sollte ein Bekennerschreiben analysieren, in dem eine Person gesteht, vor vielen Jahren einen Mord begangen zu haben. Die Person konnte sich an viele Details erinnern, an die, wie der Mord vonstattenging, allerdings nicht. Das Gutachten von Linguistin Gudrun Müller kam zum Schluss: Die Person hat niemanden umgebracht.