Eine wissenschaftliche Karriere steht und fällt mit der Veröffentlichung von Artikeln in renommierten Fachmagazinen. Doch viele dieser Studien können bei einem zweiten Versuch nicht mehr reproduziert werden. So ging es auch der Chemie-Nobelpreisträgerin Frances Arnold, die jetzt einen Artikel aus der Zeitschrift Science zurückgezogen hat und damit ein wichtiges Zeichen setzt.

Geknickt und wehmütig hat sich die Nobelpreisträgerin auf Twitter gezeigt, als sie bekannt gegeben hatte, dass sie eine Veröffentlichung im Fachmagazin Science zurückziehen musste. In dem Artikel, der im Mai erschienen war, ging es unter anderem um die Synthese von Beta-Lactamasen. Das sind Enzyme, die von zahlreichen Bakterien gebildet werden und einen wichtigen Bestandteil bestimmter Antibiotika bilden. Doch die Ergebnisse der Studie konnte sie bei einem zweiten Versuch nicht mehr reproduzieren.

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Offener Umgang mit Fehlern

Science gab als Begründung für die fehlerhafte Studie an, dass bei einer Überprüfung der Labornotizen von Erstautorin Inha Cho aufgefallen sei, dass entscheidenende Daten und Einträge fehlten. Dahinter könnte zwar Betrug stecken, möglicherweise aber auch einfach ein Versehen oder eine unordentliche Vorgehensweise. Inha Cho ist Doktorandin bei Frances Arnold, deshalb ist auch die Nobelpreisträgerin in der Sache involvliert. Doch ihr offener Umgang mit den Fehlern wurde von den Kollegen überwiegend positiv aufgenommen.

Überwiegend Lob aus der Forschungswelt

Frances Arnold, so einige Kollegen, sei ein großes Vorbild, weil es ihr um die Wissenschaft an sich ginge und nicht um den Ruhm von derartigen Veröffentlichungen. Es darf jedoch nicht vergessen werden, dass es für eine Forscherin mit dem Standing als Nobelpreisträgerin leichter sei, Fehler zuzugeben als für andere Forscher, sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Britta Wagner.

Besserer Umgang mit Fehlern

Der Fall von Frances Arnold ist kein Sonderfall. Bei einer Umfrage des Fachjournals Nature haben mehr als die Hälfte von fast 1600 befragten Forschenden zugegeben, dass sie schon ein mal Probleme hatten, ein Experiment zu reproduzieren. Doch genau das macht eine gute Untersuchung aus.

"Dabei ist es für die Qualität von Forschung sehr wichtig, dass ein Ergebnis nicht nur einmal herauskommt, sondern auch bei Wiederholungen."
Britta Wagner, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Im Fachjournal Research Ethics haben sich bereits zwei Wissenschaftler dafür ausgesprochen, dass es kein Stigma sein sollte, wenn ein Forschender einen Artikel zurückzieht und damit Fehler eingesteht. Der Umgang mit Fehlern in der Wissenschaftswelt braucht also noch eine kleine Revolution.