Mit dem Start der Frankfurter Buchmesse hoffen alle Verlage darauf, den neuen Bestseller zu präsentieren. Gesa Schöning und Ralf Winkler versprechen, genau DEN zu finden. Mithilfe Künstlicher Intelligenz – binnen Sekunden. 

Gesa Schöning sagt, dass sie den neuen Bestseller vorhersagen kann. Und dabei liest sie nicht mal besonders viel. Sie lässt lesen. Gesa Schöning hat zusammen mit ihrem Geschäftspartner Ralf Winkler einen Algorithmus entwickelt, der Manuskripte anhand von hunderten Details beurteilt. Kriterien sind beispielsweise Text- und Satzlänge, wörtliche Rede, ungewöhnliche Sprache oder Spannungsverlauf. Das alles wird mit anderen Büchern desselben Genres vergleichen. Gesa Schöning verspricht eine Auswertung nach 30 Sekunden.

"Wir laden die Werke hoch und haben dann die Möglichkeit, nach Bestsellern zu sortieren. Welches Buch für welchen Verlag am erfolgreichsten sein könnte."

Die Verlage in Deutschland bekommen jedes Jahr rund vier Millionen Manuskripte zugeschickt. Deutlich mehr, als die Menschen, die dort arbeiten, lesen können. In genau diese Lücke soll die Software Qualifiction stoßen. Im Vorfeld der Frankfurter Buchmesse hatte Gründerin Gesa Schöning Autoren dazu aufgerufen, ihr Manuskripte zu schicken und etwa 100 Exemplare liegen ihr bereits vor.  

Suche nach dem höchsten Bestseller-Score

Wenn Gesa Schöning die Manuskripte durch die Software gejagt hat, bekommt sie Informationen darüber, wer die zentralen Akteure sind, welches Genre bedient wird oder auch ob das Manuskript thematisch ungewöhnlich ist. Hin und wieder kommt dabei ein hoher Bestseller-Score heraus. Dann sagt sie: "Das sollte mal ein Mensch lesen."  

Wörter und Sätze werden mathematisiert

Die Auswertung der künstlichen Intelligenz Qualifiction basiert auf hunderten Bausteinen. Wie genau die Algorithmen arbeiten, verrät Gesa Schöning nicht, nur so viel: Grundlage für die Software sei, dass Wissenschaftler Wörter und Sätze in den letzten Jahren sehr gut mathematisiert hätten – ihnen Zahlen gegeben haben, wodurch Maschinen es verstehen können. "Die Sonne scheint" bekommt bei Qualifiction einen anderen Wert als "Die Leiche vermodert". 

Ein erster Verlag ist auch schon interessiert an der Software. Der Feuerwerke-Verlag aus Hamburg will QualiFiction demnächst einsetzen. Verleger Tim Rohrer setzt vor allem auf Unterhaltungsliteratur für Frauen und ist begeistert von neuen Technologien.

"Ich denke dass es nur eine Unterstützung ist. So wie meine Lektorin ein Manuskript beurteilt, kann auch ein Computer eine Meinung zu einem Buch haben."
Tim Rohrer, Verleger beim Feuerwerke-Verlag aus Hamburg

Ähnlich sieht es auch der Börsenverein des deutschen Buchhandels. Von dort heißt es: Eine Software, die Manuskripte analysiert, könne ein sinnvolles Werkzeug sein. Aber solche Angebote würden kein individuelles, kritisches Lektorat ersetzen. 

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