Es gibt so Momente im Leben, da ändert sich alles, radikal: Franziska Schreiber war fünf Jahre bei der AfD, dann ist sie ausgestiegen. Im Interview erzählt sie, wie die AfD ihr Denken verändert hat und warum sie am Ende nichts mehr mit der Partei zu tun haben will.

Franziska ist Anfang 20, als sie in die AfD eintritt und dort Karriere macht: Sie wird Vorsitzende der Jungen Alternative Sachsen (JA) und sitzt im Bundesvorstand der JA. 2017 tritt sie vor den Bundestagswahlen aus der Partei aus. Über ihre Zeit in der AfD hat sie das Buch "Inside AfD" geschrieben.

Früher fand Franziska den kühlen und rationalen Ton der einstigen AfD-Politiker Bernd Lucke und Hans-Olaf Henkel gut, sagt sie. Er sei ihr sachlich und professoral vorgekommen – im Vergleich zu den anderen Politikern, von denen sie sich manipuliert gefühlt habe.

Die AfD erinnere sie an eine Sekte, sagt Franziska heute. Solange man auf Linie sei, gebe es sehr viel Anerkennung. Aber die Führer zu kritisieren, das sei nicht gewollt.  Anfangs habe sie beispielsweise nicht nachvollziehen können, warum sich Bernd Lucke so kritisch über die Atmosphäre in der AfD geäußert habe – bis sie selbst angefangen habe, den AfD-Politiker Björn Höcke zu kritisieren.

"Ich dachte, das Klima in der AfD ist doch super, aber als ich Björn Höcke kritisiert habe, ist mir geballter Hass entgegen geschlagen."
Franziska Schreiber, AfD-Aussteigerin

Anerkennung und Respekt von Parteimitgliedern waren wichtig

Trotzdem sei sie in ihrer Parteizeit selbst weit gegangen und radikaler geworden, erzählt Franziska. Alle wichtigen Leute, die sie respektierten, seien in der AfD gewesen – und von denen wollte Franziska Anerkennung. 

Auch ihre Facebook-Timeline sei ganz auf AfD-Themen ausgerichtet gewesen. Franziska erzählt, dass sie eine zeitlang nur noch mit Berichten über kriminelle Ausländer und ähnliche Themen konfrontiert worden sei. Themen, die sie wütend, ängstlich und hilflos gemacht hätten. Nur durch ihre Aktivitäten bei der AfD habe sie das Gefühl gehabt, etwas dagegen tun zu können.

"Im Nachhinein finde ich es wirklich erschreckend, wie das so funktioniert hat – auch mit mir. Und wie dieses Umfeld mich verändert hat, aber wie ich mich auch selber von diesem Umfeld habe verändern lassen."
Franziska Schreiber, AfD-Aussteigerin

Dabei geht Franziska selbst über Grenzen und trägt zu Angst und Verunsicherungen bei: So habe sie beispielsweise eine Grafik über Asylbewerberzahlen erstellt, in der die prognostizierte Zahl frei erfunden gewesen sei.

Die Basis der Partei beschreibt Franziska als bluthungrig: Sie fordere den nächsten Skandal und knallharte Aussagen. Und die würden Politiker wie Björn Höcke und Alexander Gauland liefern – nur um wiedergewählt zu werden. 

Eidesstattliche Versicherung zu Treffen von Frauke Petry und Hans-Georg Maaßen

Einen besonderen Aufreger gab es bereits vor Veröffentlichung des Buches: Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen soll Frauke Petry, ehemalige Vorsitzende der AfD in Sachsen und ehemalige AfD-Politikerin, beraten haben. Dabei soll es darum gegangen sein, wie vermieden werden könne, dass die AfD vom Verfassungsschutz beobachtet wird. 

Franziska hat in diesem Zusammenhang eidesstattlich versichert: Frauke Petry habe ihr gegenüber mehrfach erwähnt, dass die AfD Glück habe, mit Maaßen jemanden als Chef des Verfassungsschutzes zu haben, der der Partei wohlgesonnen sei und daher eine Beobachtung vermeiden wolle.

"Ich möchte mir nicht mehr überlegen, was die Basis wohl dazu sagen wird, wenn ich das jetzt sage oder schreibe. Ich genieße jetzt gerade auch meine persönliche Freiheit."
Franziska Schreiber, AfD-Aussteigerin

Heute hat Franziska keinen Kontakt mehr zu Frauke Petry und bezeichnet sich selbst als libertär. Ihr sei die Sicht des Einzelnen und dessen Maximum an Freiheit wichtig, sagt sie. Das Buch zu schreiben, habe ihr geholfen, mit sich im Reinen zu sein. Das sei ihr jetzt wichtiger, als die Anerkennung der anderen.

Außerdem in Ab 21:

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