Frauen haben ihre Periode - das wissen alle. Gesellschaftlich ist Menstruation aber etwas, das eher heimlich passiert. Einzig ein Thema für die Intimsphäre? Nein, sagen viele Frauen, die auf Free Bleeding setzen.

Free Bleeding heißt, Menstruieren, ohne das Blut mit Tampons, Menstruationstasse und Co aufzufangen. Das heißt oft unweigerlich: das Blut wird sichtbar.

Kein Tabu, weniger Kontrolle

Free Bleeding - das sehen einige einfach als eine (auch müllreduzierende) Methode mit der Menstruation umzugehen: Also keine versteckten Menstruationsprodukte zu verwenden, sondern das Blut laufen zu lassen und beispielsweise auf der Toilette abzulassen.

Komplett steuerbar ist das nicht, erklärt Yael Adler, Ärztin und Autorin eines Buches über Körpertabus. Das liegt daran, das die Gebärmutter ein Hohlorgan ist und die Vagina ein Schlauch. Das heißt, es gibt stets Winkel, in den sich Blut sammelt, heraustropft oder schmiert.

"Selbst ein superstarker Beckenboden kann das nicht verhindern."
Yael Adler, Ärztin und Autorin

Für andere ist es ein Protest und Statement. Eher durch Zufall wurde die Läuferin Kiran Ghandi 2015 mit dem Thema konfrontiert. Sie steht an der Startlinie des London Marathons. Als sie losläuft, bemerkt sie, dass ihre Periode beginnt. Und sie beschließt es einfach laufen zu lassen.

Statement gegen die Scham

Dafür wurde sie gefeiert, aber auch kritisiert: Öffentlich Menstruationsblut zu zeigen sei eklig. Die Kritik an öffentlichen Free-Bleederin bewegt sich zwischen: "das ist ungewohnt" bis "absolut unangebracht".

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Kiran Ghandi beschließt, ihren Lauf als Statement gegen die Scham zu verstehen.

"The more I ran the more I realized it was a big deal. Because while I had the choice to reject that shame that day, millions of women and girls out there do not have that choice."
Kiran Ghandi

Dabei geht es den Free-Bleederinnen nicht nur um "Körperflüssigkeiten", sondern das Tabu allgemein aufzubrechen. Bewusstsein zu schaffen für vieles, was damit zusammenhängt: Beispielsweise Menstruationsschmerzen, Tamponbesteuerung und in einigen Ländern sogar Stigmatisierung.

Die Message: Menstruationsblut nicht als etwas schlechtes, schambehaftetes zu empfinden, sondern etwas natürliches. Warum beispielsweise wird in Werbespots von Binden und Tampons zumeist blaue "Ersatz-Flüssigkeit" gezeigt? Und ist es ein Skandal, wenn eine australischen Bindenfirma die Kampagne #BloodNormal startet, in der Menstruationsblut rot dargestellt wird?

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Die Ärztin Yael Adler sagt, menstruierende Menschen sollten selbst frei entscheiden dürfen, wie sie mit ihrer Periode umgehen will. Öffentlich, oder nicht.