Warum ist es für Geflüchtete so schwer, in Deutschland legal zu arbeiten? Eine Unternehmerin erzählt, wie zufrieden sie mit ihrem Auszubildenden war und wie unzufrieden mit der Ausländerbehörde. Außerdem haben wir mit unserer Korrespondentin über die rechtliche Lage gesprochen – und über einen Vorschlag von Andrea Nahles.

Der 23-Jährige Habbibullah A. beginnt 2017 eine Ausbildung zum Stahlbauer. Er geht sie mit großem Fleiß und mit Pflichtbewusstsein an. Das Unternehmen schätzt ihn als Mitarbeiter. Auch die Berufsschule und der örtliche Sportverein sind von dem jungen Mann und seinen Leistungen angetan.

Zwei Monate nach Beginn der Ausbildung beanstandet die Ausländerbehörde eine fehlende Ausbildungserlaubnis. Der Arbeitgeber bemüht sich, Habbibullah A. weiterhin zu beschäftigen, allerdings vergeblich.

Arbeitserlaubnis ist eine amtliche Ermessensentscheidung

Wir haben mit Andrea Finsterwald der Chefin von Finsterwald Stahlbau über ihren ehemaligen Azubi und die komplizierte Situation gesprochen. Sie kritisiert, dass eine Behörde über die Arbeitserlaubnis frei nach Ermessen entscheidet, Unternehmen aber nicht gefragt werden, obwohl Kollegen und Vorgesetzte die Arbeitsleistung von Habbibullah A. doch gut beurteilen können.

"Der Unternehmer darf diesbezüglich gar nichts entscheiden. Das Amt entscheidet. Die Arbeitserlaubnis ist eine Ermessensentscheidung."
Andrea Finsterwald, ehemalige Chefin von Habbibullah A. bei Finsterwald Stahlbau

Sie beschreibt die Zeit nach dem Schreiben der Ausländerbehörde als Belastung. Es war für sie ein Auf und Ab, das die ganze Firma und die Familien und den Freundeskreis beschäftigt hat. Andrea Finsterwald beklagt, die sehr bürokratische Kommunikation. Sie hat die Erfahrung gemacht, dass ihr niemand habe weiterhelfen können. Andrea Finsterwald hatte Schwierigkeiten, in den Behörden, kompetente Ansprechpartner zu finden.

Andrea Nahles forderte "Spurwechsel"

Weder sie selbst noch ihre Mitarbeiter konnten die Entscheidung der Behörde, dass Habbibullah A. seine Ausbildung abbrechen muss, nachvollziehen.

"Unsere Leute konnten überhaupt nicht verstehen, warum der junge Kerl nicht arbeiten durfte."
Andrea Finsterwald, ehemalige Chefin von Habbibullah A. bei Finsterwald Stahlbau

Andrea Finsterwald ist nicht die einzige Unternehmerin, die sich beschwert. Die Klagen aus mittelständischen Unternehmen haben inzwischen auch die Bundespolitik erreicht. Die SPD-Vorsitzende Andrea Nahles hat einen Vorschlag zur Integration Geflüchteter in den Arbeitsmarkt – Stichwort Spurwechsel – gemacht.

Andrea Finsterwald begrüßt die Idee grundsätzlich. Sie kritisiert aber, dass so nur solche Geflüchtete eine Arbeitserlaubnis und Bleibeperspektive erhalten, die bereits in Arbeit sind. Arbeitswillige – wie auch Habbibullah A. – befürchtet sie, würden außen vor bleiben.

Über die die gesetzlichen Regelungen für Geflüchtete auf dem deutschen Arbeitsmarkt und den konkreten Vorschlag von Andrea Nahles haben wir mit unserer Korrespondentin im Hauptstadtstudio Katharina Hamberger gesprochen. Das Gespräch könnt ihr hier anhören. Sie sagt:

Katharina Hamberger, Dlf-Hauptstadtstudio
"Die Geduldeten und diejenigen, die im laufenden Verfahren sind, die dürfen nach drei Monaten grundsätzlich auch arbeiten – da gibt es dann aber eine Reihe an Ausnahmen."

Unser Bild zeigt einen Geflüchteten mit seinem Ausbilder in der Übungswerkstatt für Handwerksausbildung der Initiative Arrivo der Handwerkskammer Berlin. Das Bild wurde am 30. Oktober 2017 aufgenommen.

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