Frauen sind in Gesprächen mit dem Chef zurückhaltender als Männer, dachten Forscher bisher. Laut einer neuen Studie fragen jedoch auch Frauen nach mehr Geld - bloß lassen Chefs die Frauen häufiger abblitzen.

Frauen verdienen weniger als Männer. Haben wir alle schon viel zu oft gehört. Aber: Bisher wurde in dem Zusammenhang gerne darüber gesprochen, dass Frauen zu schüchtern seien und sich nicht wirklich trauten, in Gesprächen mit den Chefs nach einer Gehaltserhöhung zu fragen. Wissenschaftler der Universität Warwick haben jetzt andere Antworten gefunden.

Männer haben mehr Erfolg bei Gehaltsverhandlungen

Die Autoren der Studie sagen, dass Frauen zwar - wie Männer - mehr Gehalt fordern, die Chefs sie aber häufiger abblitzen lassen. In Zahlen: 20 Prozent der Männer hatten Erfolg, wenn sie nach mehr Gehalt fragten. Bei Frauen waren es nur 13 Prozent. Einer der Wissenschaftler sieht in diesem Unterschied "ein Element purer Diskriminierung von Frauen".

"Entscheidend ist eher, dass Frauen, ähnlich wie Männer, nach mehr Gehalt fragen."
Susann El Kassar, DRadio-Wissen-Autorin

Die Schuld nur bei den Chefs zu suchen, wäre jedoch ein bisschen zu einfach, sagt DRadio-Wissen-Autorin Susann El Kassar. Denn Männer haben ja auch nur zu 20 Prozent Erfolg mit ihren Gehaltsforderungen. Außerdem lasse sich aus den Zahlen nicht herauslesen, wie oft die Leute nach mehr Geld gefragt haben. Oder wie die Verhandlungen im Einzelnen abgelaufen sind.

Die Forscher haben übrigens auf Daten der australischen Fair Work Commission zurückgegriffen. Die hat fast 4600 Angestellte befragt, die bei 840 Unternehmen arbeiten. Diese 4600 Angestellten haben Fragen beantwortet wie: "Wurde das Gehalt durch Verhandlungen festgelegt oder nicht?" Oder: "Haben Sie schon eine Gehaltserhöhung erreicht, seitdem Sie angestellt sind oder nicht?"

"Möglicherweise ist die Ungleichheit also bald vorbei."
Susann El Kassar, DRadio-Wissen-Autorin

Die Wissenschaftler wollten vor allem zwei Behauptungen überprüfen. Erstens: Frauen fragen nicht nach Gehaltserhöhungen. Und zweitens: Der Grund ist, dass sie Angst haben, die Stimmung am Arbeitsplatz könnte kippen. Die Forscher konnten jetzt beide Behauptungen widerlegen. Stattdessen haben sie andere Zusammenhänge gefunden: Es kommt darauf an, wie viele Stunden wir arbeiten. Frauen wie Männer, die weniger als 38 Stunden pro Woche arbeiten, fragen seltener nach mehr Geld. Und jüngere Frauen, unter 40, sind ähnlich erfolgreich bei Gehaltsverhandlungen wie die gleichaltrigen Männer.