Fußball, Radfahren oder Skateboarden – bei vielen Sportarten können wir uns den Kopf verletzen. Eine Gehirnerschütterung sollte ausgeschlossen oder behandelt werden. Passiert das nicht, kann das zu Schäden führen, die lange anhalten oder schlimmstenfalls gar nicht mehr weggehen.

Beim Fußball kommt es schon mal vor, dass zwei Spielerinnen oder Spieler zusammenstoßen. Wer Skateboard fährt, kann schon mal vom Brett fallen und dabei mit dem Kopf auf dem Asphalt aufschlagen. Und auch beim Fahrradfahren sind Unfälle mit Kopfverletzungen keine Seltenheiten. Ein Helm kann einen solchen Aufprall ein wenig abmildern. Trotzdem können wir uns auch dann eine Gehirnerschütterung zuziehen.

"Das ist das Schwierige an einer Gehirnerschütterung - es können verschiedene Symptome zutage treten."
Ingo Helmich, Sportwissenschaftler

Ob wir uns bei einem Zusammenstoß oder einem Sturz ein Schädel-Hirn-Trauma, also eine Gehirnerschütterung zugezogen haben, ist für Laien kaum einzuschätzen, weil es viele unterschiedliche Symptome gibt, erklärt Ingo Helmich vom Institut für Bewegungstherapie und bewegungsorientierte Prävention und Rehabilitation der Deutschen Sporthochschule Köln. Auch Nackenschmerzen könnten beispielsweise darauf hinweisen, dass eine Gehirnerschütterung vorliegt.

Um eine Gehirnerschütterung sicher auszuschließen, sollten wir uns in jedem Fall von einem Arzt oder einer Ärztin untersuchen lassen, rät der Sportwissenschaftler. Bei der Diagnose können sie dabei etwa auf den Bewertungsbogen Scat 5 (Sport Concussion Assessment Tool) zurückgreifen, den eine Schweizer Expertengruppe entwickelt hat.

Profisport-Bewertungsbogen auch für Laien nützlich

Dieser Fragebogen wird bisher hauptsächlich im Profisport angewendet, sagt Ingo Helmich. Theoretisch könnten aber auch Amateursportler und -sportlerinnen dieses Bewertungstool nutzen, um in einem ersten Schritt systematisch zu prüfen, ob sie entsprechende Symptome haben.

"Man müsste sich der Symptome bewusst sein, die den Verdacht einer Gehirnerschütterung erhärten, und dann muss ich zum Arzt und mich ordentlich untersuchen lassen."
Ingo Helmich, Deutsche Sporthochschule Köln

Besteht auch nur der geringste Verdacht auf ein Schädel-Hirn-Trauma, sollten wir uns medizinisch untersuchen lassen, empfiehlt der Sportwissenschaftler. Als einige der Warnsignale, die auf eine Gehirnerschütterung hindeuten können, nennt er:

  • Bewusstlosigkeit nach einem Kopfstoß
  • Übelkeit
  • Schwindelgefühl
  • verlangsamte Reaktionen
  • ausdrucksloser Blick
  • zunehmende Ruhelosigkeit
  • Kopf- oder Nackenschmerzen
  • Doppelbilder
  • Balance-Schwierigkeiten
  • Gleichgewichtsstörungen

Zu früher Sport kann weitere Gehirnerschütterung verursachen

In manchen Fällen zeigten sich Symptome nicht sofort, sondern entwickelten sich erst später. Im Profisport sei es beispielsweise ein Problem, wenn Athleten und Athletinnen zu früh wieder auf das Spielfeld zurückkehrten, ohne sich richtig auszukurieren, sagt Ingo Helmich.

Wenn wir zu schnell wieder Sport machen, ohne dass eine Gehirnerschütterung erkannt oder ausreichend behandelt wurde, kann es dazu führen, dass wir uns ein weiteres Schädel-Hirn-Trauma zuziehen, warnt er. Dieses Phänomen ist als "Second-impact syndrome" bekannt. Das könne dann wiederum nach sich ziehen, dass Beeinträchtigungen eine lange Zeit anhalten.

Wenn eine Gehirnerschütterung nicht richtig behandelt wird

Vor allem schwächere Symptome wie einer verlangsamten Reaktionsfähigkeit oder eine geringere Leistungsfähigkeit können falsch eingeschätzt werden, sagt Ingo Helmich. Deswegen empfiehlt er, Betroffene über einen längeren Zeitraum zu beobachten. Es gebe besonders dramatischen Fälle aus dem US-Profisport, bei denen eine unbehandelte Gehirnerschütterung zum Tode von Footballspielern auf dem Feld geführt haben, sagt er.

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Es gibt auch bekannte Persönlichkeiten, die nach einem Schädel-Hirn-Trauma durch langfristige Folgen beeinträchtigt sind. Seit einer Gehirnerschütterung, die nicht diagnostiziert und behandelt wurde, stottert beispielsweise der US-amerikanische Comedian Drew Lynch. Er macht seine Sprechstörung oft zum Thema seiner Auftritte.

Stottern aufgrund eines Schädel-Hirn-Traumas

Nach einer Kopfverletzung beim Softball, einer Variante des Baseballs, hatte sich der Amateursportler abends schlafen gelegt, ohne dass er nach dem Sportunfall behandelt worden war. Dadurch manifestierte sich in der Folge ein Stottern.