Kosmetik ist nicht  gleich Kosmetik. Was wir uns auf die Haut reiben, in die Haare schmieren oder unter die Achseln sprühen, ist stark davon abhängig, wo wir leben. Geokosmetik-Forscher untersuchen, welche Produkte wo gewünscht sind.

Inder lieben Haaröle, Araber schwere Düfte, Afrikaner brauchen sehr reichhaltige Lotionen, Asiaten vor allem schnell einziehende. Nils Hoffmann arbeitet als Forscher und Entwickler für den Nahost-Standort eines großen deutschen Kosmetikherstellers. Drei Faktoren, erklärt er, bestimmen welche Kosmetikprodukte in welcher Region benötigt werden:

  • Genetik - zum Beispiel ist die Beschaffenheit unserer Haut je nach Hautfarbe unterschiedlich, schwarze Haut ist z.B. trockener
  • Umwelt - die Umgebungstemperatur etwa wirkt sich auf Konsistenz und Wirkweise von Kosmetikprodukten aus
  • Kultur - auch Religion und gesellschaftliche Aspekte beeinflussen die Kosmetikbedürfnisse und -vorlieben

Nils Hoffmann lebt seit drei Jahren in Indien. Sein Job ist herauszufinden, welche Kosmetikprodukte Menschen in Indien, Afrika, im Mittleren Osten, in der Türkei und in Russland sich wünschen und entsprechende Produkte auf den Markt zu bringen. Geokosmetik nennt sich dieser Forschungs- und Entwicklungszweig. Am besten funktioniert das durch das Sammeln von Erfahrungen direkt vor Ort, sagt er. Aber auch großangelegte Verbraucher-Studien geben den Kosmetik-Herstellern Auskunft darüber, was gewünscht ist und wie Produkte angewendet werden.

Kosmetik regional unterschiedlich

Und dabei gibt es große Unterschiede: Während zum Beispiel in Afrika sehr reichhaltige Lotionen bevorzugt werden, weil bei dunkler Haut Trockenheit mehr ins Gewicht fällt, ist für viele Konsumenten in asiatischen Ländern wegen der Hitze vor allem wichtig, dass die Cremes gut einziehen. Japanerinnen tuschen sich ihre Wimpern anders als Französinnen. Und Inder wiederum stehen auf starke Zitrusdüfte, die wir in Deutschland wohl eher mit Haushaltsreinigern in Verbindung bringen würden. Auch das Haar einzuölen ist in vielen Regionen üblich, bei uns eher eine Seltenheit. 

Lange Entwicklungszeiten

Wenn genug Anhaltspunkte da sind, wird das Produkt entwickelt und von Konsumenten getestet. Bis es in die Regale kommt, wird es in der Regel mehrfach angepasst. Von der Idee bis zur Markteinführung kann es schon mal drei bis fünf Jahre dauern. Allein die Anpassung einer Duftnote kann ein halbes Jahr in Anspruch nehmen. 

Nils Hoffmanns größter Erfolg: Ein Deo speziell für den indischen Markt. Das musste ganz besondere Eigenschaften haben, weil es dort eher auf die Kleidung statt auf die Haut gesprüht wird. Jetzt kann er 'sein' Deo im Supermarktregal bewundern. 

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