Neulich beim Prozess zum Duisburger Loveparade-Unglück: Eine Zeugin aus Australien spricht mit einer Dolmetscherin an ihrer Seite. Die wurde allerdings nach einer Viertelstunde wieder entlassen. Der Vorwurf: Sie habe nicht genau genug gedolmetscht, teilweise sogar sinnentstellend. 

Sie war einfach aufgeregt. So erklärte die Dolmetscherin ihre Fehler im Prozesssaal. Es ist ja schließlich ein Mammutprozess mit zehn Angeklagten und Dutzenden Nebenklägern in einem riesigen Saal mit großem Medieninteresse, erklärt Deutschlandfunk-Nova-Reporter Dominik Peters, der regelmäßig beim Prozess dabei ist. 

Dolmetschen bei Gericht ist besonders schwierig

Die 15-Minuten-Dolmetscherin ist eine allgemein beeidigte Übersetzerin. Das heißt, sie ist vor deutschen Gerichten als Dolmetscherin zugelassen, hat einen Eid abgelegt, dass sie treu und gewissenhaft übersetzen wird, und hat ihre sprachlichen Kenntnisse vorgewiesen. In den Bundesländern gelten unterschiedlich strenge Voraussetzungen. Ihre persönliche Eignung hat sie mit einem polizeilichen Führungszeugnis auch nachgewiesen. Theoretisch war sie also geeignet. Praktisch allerdings nicht. 

"Was man noch als brauchbare Dolmetscherleistung gelten lässt vor Gericht, hängt im Wesentlichen von der Verfahrensleitung des Vorsitzenden ab und auch von den Parteien."
Mihael Pohar, Pressesprecher am Oberlandesgericht Düsseldorf

Die Entscheidung darüber, dass diese Dolmetscherin nicht geeignet ist, liegt beim Richter. Es existieren keine festen Regeln, manche Richter sind strenger, andere weniger. Außerdem darf der Verteidiger oder auch die Klägerseite anmerken, dass ihnen etwas nicht ganz sauber vorkommt. Sie können auch einen eigenen Vertrauensdolmetscher mitbringen, der seinem Kollegen quasi auf die Finger schaut. 

"In manchen Dolmetschsituationen wird mehr zusammengefasst, oder Füllworte können weggelassen werden. Das kann man im Gericht eigentlich nicht machen. Da ist es wirklich 1:1."
Thurid Chapman vom Bundesverband der Dolmetscher und Übersetzer

Es gibt viele verschiedene Dolmetschsituationen. Im Gerichtssaal ist es wichtig, 100 Prozent des Gesagten wiederzugeben. Aber das ist genau der Knackpunkt: Es geht nicht nur darum, die richtige Vokabel parat zu haben. "Der Dolmetscher darf natürlich nichts hineininterpretieren", sagt Dolmetscherin Iva Wolter. Die Stilebene und die Wortwahl müssen beibehalten werden. "Wenn zum Beispiel ein Satz abgebrochen wird, dann bricht der Dolmetscher den Satz auch ab."

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