Sieben Jahre nach der Duisburger Loveparade-Katastrophe hat der Strafprozess gegen zehn Angeklagte begonnen. Vier Mitarbeiter der Veranstalterfirma und sechs Bedienstete der Stadt müssen sich wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung verantworten. 

21 Menschen sind bei der Loveparade am 24. Juli 2010 gestorben, 652 wurden verletzt. Bislang hat das Gericht bis Ende 2018 insgesamt 111 Verhandlungstage angesetzt. Das Verfahren findet aus Platzgründen im Messe-Congress-Center von Düsseldorf statt.

Planungsfehler

Den Angeklagten wird vorgeworfen, durch Fehler bei der Planung des Festivals zur Entstehung der Massenpanik beigetragen zu haben. Damit die Vorwürfe nicht verjähren, muss bis Mitte 2020 zumindest ein Urteil in erster Instanz gesprochen werden. Angesichts der Komplexität des Verfahrens ein recht enger Zeitplan, sagt Moritz Küpper.

Antragsflut zum Auftakt

Deutschlandfunk-Nova-Reporter Moritz Küpper war beim ersten Prozesstag vor Ort. Er erklärt, dass der Prozess mit einer Antragsflut gestartet ist, weil die Verteidiger etwa Befangenheitsanträge gegen zwei Ersatzschöffen gestellt haben. Die Angeklagten selbst hätten sich heute zurückgehalten und nur ihre persönlichen Daten angegeben, als sie vom Gericht danach gefragt wurden.

"Das Gericht hat es geschafft, am heutigen Tage die Anklageschrift zu verlesen."
Matthias Breidenstein, Sprecher des Landgerichts Duisburg

Es war wirklich ein Kampf, diese Anklageschrift in einer Stunde zu verlesen, sagt Moritz Küpper. Mit einem Mal sei der Tag des Loveparade-Unglücks wieder ganz präsent gewesen. 

Auch Gabi Müller war dabei. Sie hat ihren Sohn Christian bei der Loveparade vor sieben Jahren verloren und sagt: Ihr geht es bei diesem Prozess nicht um Rache. Sie will einfach nur Gerechtigkeit und Aufklärung. 

An jedem der Verhandlungstage sollen Psychologen, Seelsorger und Ärzte im Einsatz sein. In einem Raum neben dem Gerichtssaal stehen sie für Gespräche mit Menschen bereit, die der Prozess belastet. 

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