Ihr seid neu in der Stadt oder euer Arzt zieht weg oder geht in Rente – in so einem Fall ist es oft nicht einfach, einen neuen Arzt zu finden, mit dem ihr genauso zufrieden seid wie mit dem alten. Wir haben ein paar Tipps für euch zusammengefasst, was ihr bei der Suche beachten könnt.

Wer einen Arzt sucht, fragt meist erst Freunde, informiert sich in speziellen Gruppen zur eigenen Stadt auf Social-Media-Plattformen oder googelt einfach. Im Netz hat man beispielsweise auch die Möglichkeit, auf der "Weißen Liste" der Bertelsmann Stiftung Ärzte, Krankenhäuser oder Pflegeheime zu finden, sagt unsere Reporterin Britta Mersch.

Es gibt zwar auch Bewertungsportale im Netz, allerdings sind die Erfahrungen, über die Patienten dort berichten, sehr subjektiv, so unsere Reporterin.

Zentrales Register, das über Behandlungen und deren Erfolg informiert

Dass es in Deutschland kein zentrales Register für Arztpraxen gibt, sei allerdings ein großes Manko, sagt Marcel Weigand. Er arbeitet bei der Unabhängigen Patientenberatung Deutschland. Eine zentrale Plattform hätte den Vorteil, dass sie Informationen darüber bietet, wie eine Praxis ausgestattet ist, welche Behandlungen angeboten werden und wie erfolgreich sie sind.

"Wie viele Fälle behandelt der Arzt eigentlich pro Jahr, kennt er sich mit dieser Erkrankung aus? Auch Fragen zu Hygiene in der Arztpraxis – eine repräsentative Befragung zeigt, dass das am zweitwichtigsten ist neben den Fachkenntnissen des Arztes."
Marcel Weigand, Unabhängige Patientenberatung Deutschland

Oft hilft es, bei einer Arztpraxis anzurufen, vor allem bei einer Erkrankung, die auf eine speziellen Weise behandelt werden muss. Oder man geht einfach hin und schaut, ob man mit dem Arzt und den Standards in der Praxis zufrieden ist. Das Ärztliche Zentrum für Qualität hat eine Checkliste mit 13 Punkten zusammengestellt, die man beim persönlichen Praxis-Check nutzen kann.

Zu den Punkten auf dieser Checkliste gehört unter anderem:

  • ob ich respektvoll aufgenommen werde, das heißt, dass ich mit Namen angesprochen werde
  • ob ich das Gefühl habe, dass mein Anliegen genug Gehör findet
  • ob ich die Praxis gut erreichen kann

Allerdings weiß ich, nachdem ich alle Punkte dieser Liste beantwortet habe, immer noch nicht, ob meine Erkrankung tatsächlich nach dem neusten Stand in der Medizin behandelt wird.

Daten sind vorhanden, Patienten bekommen aber keinen Zugriff darauf

All die Daten, die ein Patient benötigen würde, um sich über eine Arztpraxis zu informieren, sind im Bundesarztregister oder bei Kassenärztlichen Vereinigungen dokumentiert. Wir bekommen als Laien aber keinen Zugang dazu. Denn im Moment gibt es noch keine rechtliche Grundlage dafür, die besagt, dass diese Daten zur Verfügung gestellt werden müssen.

"Krankenhäuser sind verpflichtet, einmal im Jahr einen sogenannten strukturierten Qualitätsbericht abzugeben. In dem finde ich alle Informationen."
Marcel Weigand, Unabhängigen Patientenberatung

In anderen Ländern, wie den Niederlanden und Großbritannien, ist man da schon viel weiter als in Deutschland. Auch was den stationären Bereich, also Krankenhäuser und Kliniken betrifft, ist das anders geregelt. Denn die sind dazu verpflichtet, jährlich Auskunft zu geben. Es gibt Institutionen, wie die Bertelsmann Stiftung, die sich dafür stark machen, dass das gleiche auch für Arztpraxen in Deutschland eingeführt wird.

Solange das noch nicht gilt, könnt ihr:

  • auf Empfehlungen hören
  • selbst eine Praxis testen
  • im Zweifelsfall weitersuchen, wenn die Chemie nicht stimmt