Über den Antisemitismus bei muslimischen Jugendlichen und was dagegen helfen könnte.

Anfang April hat ein 14jähriger jüdischer Junge in Berlin seine Schule verlassen, weil er wegen seiner Religion gemobbt und angegriffen wurde. Bis dahin war alles normal im Umgang miteinander. Die, die übergriffig wurden, waren seine Mitschüler. Sie haben damit angefangen, nachdem der Junge erzählt hatte, dass er Jude ist. 

Die Schule gehört zum Netzwerk "Schule gegen Rassismus" und viele türkisch- und arabisch-stämmige Jugendliche besuchen sie. In letzter Zeit wurden verschiedene Fälle dieser Art bekannt. Es geht dabei um eine Form des Antisemitismus, der gerade bei muslimischen Jugendlichen verbreitet ist. Zuverlässige Zahlen dazu gibt es bisher nicht. 

Der Dialog soll helfen

Ahmad Mansour ist Diplom-Psychologe, lebt in Berlin und berät zivilgesellschaftliche Initiativen zum Thema im Umgang mit Radikalisierung und Antisemitismus bei Muslimen. Er sieht einen Lösungsansatz des Problems im Dialog und dem Austausch mit den muslimischen Jugendlichen. 

"Antisemitismus ist ein herkunftsübergreifendes Phänomen."
Ahmad Mansour über Antisemitismus

Die Lebenswelten der Jugendlichen zu verstehen, könnte eine Lösung sein

In der muslimischen Community sei der Antisemitismus anders verbreitet, weil er nicht - wie in der deutschen Gesellschaft -  mit einem Tabu belegt sei. Daher sei er hier aggressiver, lauter und hemmungsloser, sagt Ahmad Mansour. Um dieser Form des Antisemitismus begegnen zu können, müsse diese Aufgabe als gesamtgesellschaftliche Aufgabe verstanden werden. Es sei wichtig, dass sich in Schulen der Blick öffne und nicht nur auf eine deutsche Perspektive beschränkt bleibe. 

"Dazu gehört, dass man Plattformen schafft für Dialoge, damit die Jugendlichen sich äußern können."
Ahmad Mansour