Ein Angriff auf ein Team der "Heute Show" rückt das Thema in den Fokus: Verbale und tätliche Angriffe auf Medienschaffende. Die meisten Journalisten erleben sie bei ganz bestimmten Themen.

Viele Journalistinnen und Journalisten in Deutschland erleben körperliche und verbale Gewalt während oder wegen ihrer Arbeit. Die Täter kommen überwiegend aus dem politisch rechten Spektrum.

Laut einer Studie des Instituts für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung der Universität Bielefeld geben rund 60 Prozent der befragten Medienschaffenden an, in den vergangenen zwölf Monaten mindestens einmal beleidigt oder angegriffen worden zu sein. Das ist ein deutlicher Anstieg im Vergleich zu früheren Ergebnissen.

Die meisten Angriffe erfolgte digital, vor allem über soziale Netzwerke und per E-Mail. Ein Viertel der Befragten sagt, schon mindestens einmal über private Kontaktdaten angegriffen worden zu sein. Knapp ein Drittel gibt an, "von Angesicht zu Angesicht" beschimpft worden zu sein.

Eine Reihe aktueller Angriffe

Jüngste, sehr schwere Fälle von Angriffen gegen Medienschaffende sind der Angriff auf ein Team der ZDF-Sendung "Heute Show" in Berlin am 01.05., der laut ersten Einschätzungen der Polizei womöglich links-motiviert war, und die Anzeige einer TV-Journalistin gegen einen Polizisten, der ihr heftig ins Gesicht geschlagen haben soll.

Der Angriff auf das Heute-Show-Team sei beispiellos, sagt Lutz Kinkel, Geschäftsführer des Europäischen Zentrums für Presse- und Medienfreiheit. Das hat vor Kurzem eine Untersuchung zu Angriffen gegen die Presse veröffentlicht.

In den vergangenen fünf Jahren gab es demnach 119 tätliche Angriffe auf Journalisten in Deutschland. 77 Prozent sind dem rechten Lager zugeordnet. Auch in der Studie der Uni Bielefeld geben die meisten Befragten an, den Angriff politisch rechts zu verordnen (etwa 14 von 20). Etwa eine Person von 20 verordnet den Angriff politisch links.

"Man muss sagen, dass der Angriff auf das ZDF-Team beispiellos ist, so etwas hat es vorher noch nicht gegeben."
Lutz Kinkel, Geschäftsführer des Europäischen Zentrum für Presse- und Medienfreiheit

Wer Journalisten grundsätzlich als seinen Feind betrachte, bei dem sei auch die Schwelle zur Gewalt vermindert. So komme es immer wieder bei rechtsextremen oder auch rechtspopulistischen Demonstrationen zu Gewalt gegen Journalisten, sagt Lutz Kinkel. Auch von links gibt es Gewalt gegen Medienschaffende - laut Untersuchungen aber deutlich seltener.

Mehr als die Hälfte aller Journalisten hat kürzlich Angriffe erlebt

Die Studie des Instituts für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung an der Universität Bielefeld bestätigt, dass die Gewalt gegen Journalistinnen und Journalisten hauptsächlich von Rechts kommt, was auch die Themen zeigen:

"Der Großteil bekommt solche Hassangriffe, wenn er oder sie über das Thema Migration berichtet, an zweiter Stelle kommt die AfD, an dritter Stelle kommt das Thema Flüchtlinge, Geflüchtete, Flucht", sagt Institutsleiter und Gewaltforscher Andreas Zick.

Verfolgen und Bestrafen helfen

16 Prozent der befragten Journalisten sagen: Aus Sorge vor Angriffen würden sie über bestimmte Themen lieber nicht mehr berichten.

Die Journalistinnen und Journalisten gehen davon aus, dass Bildungsangebote ihre Situation verbessern könnten. So könnten sie lernen, mit Hassangriffen umzugehen. Die Betroffenen wünschen sich Unterstützung durch ihre Redaktionen.

Und sie fordern, dass die Täter hinter den Angriffen auch tatsächlich verfolgt und bestraft werden. Für Andreas Zick ist das ein zentraler Punkt. So ließen sich die Angriffe effektiv reduzieren.

"Die Verfolgung, Analyse und Aufarbeitung der Fälle, das ist wichtig. Wir haben erlebt. Wenn Hate Speech verfolgt wurde, wenn das ermittelt wird, dann macht das auch die Runde im Netz, und dann reduziert sich das."
Andreas Zick, Konflikt- und Gewaltforscher, Universität Bielefeld