Die Verbraucherorganisation Foodwatch startet heute eine neue Abstimmung über den "Goldenen Windbeutel 2018". Die Auszeichnung, auf die Lebensmittelhersteller gerne verzichten würden, wird für die dreistesten Werbelügen vergeben.

Ab heute kann jeder über die nominierten Produkte 2018 abstimmen. Folgendes wirft Foodwatch den Nominierten vor:

  • "Glacéau Smartwater" von Coca-Cola: nicht besser als ein normales Mineralwasser, aber bis zu siebenmal teurer
  • "Bratöl Olive" von Dennree: heißt "Olive", besteht aber zur Hälfte aus Sonnenblumenöl
  • "Erbsen-Eintopf Gut & Günstig" von Edeka: laut Etikett "ohne geschmacksverstärkende Zusatzstoffe", enthält aber 10 Zusatzstoffe
  • "Kids Tomato Ketchup" von Heinz: Der "Kinder"-Ketchup ist 40 Prozent teurer als der exakt gleiche Ketchup für Erwachsene
  • "Corny Milch" von Schwartau: kommt leicht daher und wirbt mit dem "Plus an Calcium", besteht aber zur Hälfte aus Fett und Zucker

Die Hersteller bewegen sich mit ihren Produkten im Rahmen der – sehr weit gefassten – gesetzlichen Möglichkeiten, sagt Sophie Unger, Leiterin des Foodwatch-Projekts "Goldener Windbeutel". 

"Irreführung der Verbraucher ist ganz legal möglich. Das Problem sind die Gesetze. Die müssen verändert werden."
Sophie Unger, Leiterin des Foodwatch-Projekts "Goldener Windbeutel"

Der Erbseneintopf könne etwa nur deshalb als "naturbelassen" beworben werden, weil die Gesetzeslage es zulässt. In Wirklichkeit sei er alles andere als naturbelassen. Zuckerbomben wie der nominierte Corny-Riegel könnten nur deshalb als "gesund" beworben werden, weil der Gesetzgeber die Bestimmungen nicht strikter formuliere.

Hersteller halten sich an geltende Gesetze

Die meisten Regelungen im Lebensmittelrecht werden auf EU-Ebene reguliert. Unger fordert, dass dort Gesetze, die schon seit 2009 angekündigt werden, auch endlich auf den Weg gebracht werden – zum Beispiel eindeutige Definitionen, welche Produkte ehrlicherweise mit "Gesundheit" werben dürfen und welche nicht.

"Werbung wirkt. 2,8 Milliarden Euro gibt die deutsche Lebensmittelwirtschaft deshalb im Jahr dafür aus."
Sophie Unger, Leiterin des Foodwatch-Projekts "Goldener Windbeutel"

Die Lebensmittelwirtschaft ist die Branche in Deutschland, die das höchste Budget für Werbung ausgibt, sagt Unger: 2,8 Milliarden Euro. Dass Werbung funktioniert, wissen die Hersteller nur zu gut – und erst Recht die Werbeagenturen samt ihrer Juristen, die von ihnen beauftragt werden. Die Verbraucherinnen und Verbraucher im Supermarkt sind oft leicht zu beeinflussen und fallen auf Verpackung, Farbe und Wording herein.

Reaktionen der Hersteller 

Den "Goldenen Windbeutel" gibt es 2018 schon zum achten Mal. Hersteller, die in den vergangenen Jahren "ausgezeichnet" worden waren, hätten bisher alle reagiert, sagt Sophie Unger. Sie hätten stets eine Kleinigkeit an dem Produkt verändert. 

Die Firma Alete etwa, Preisträger 2017 für den als gesund daherkommenden "Kinderkeks", habe inzwischen die Bezeichnung "babygerecht" auf der Verpackung entfernt. Für Unger ist das nur eine „Mini-Alibi-Änderung“. Das Problem, nämlich ein zuckriger Keks für Kinder, bleibe leider bestehen.

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